Phu Quoc – weiße Strände, rote Straßen und Unmengen Müll

17-22.11.2014: Nach einem längeren Festlandaufenthalt stand endlich wieder mal eine Insel auf dem Programm, nämlich die Urlaubinsel Phu Quoc im Süden Vietnams an der kambodschanischen Grenze. Dort vertrieben wir uns die Zeit mit Mopedausflügen, Chillen am Strand und Schnorcheln.

Da unser Open-Bus-Ticket nur bis Saigon gültig war, standen wir wieder vor der Entscheidung die Weiterfahrt in den Süden entweder über eine Agentur zu buchen oder uns selbst um die Tickets zu kümmern. Zur Abwechslung und um ein paar Dollar zu sparen, entschieden für die DIY-Variante. Wir ließen die Besitzerin unseres Guesthouses bei der Bus-Hotline (http://futabuslines.com.vn/) anrufen und uns zwei Sitze für die Fahrt von HCM-City zur Hafenstadt Rach Gia reservieren (170000 VND, 8 USD p.P.). Dann ging es am nächsten Abend vollbepackt zum Sammelpunkt (BẾN XE BUÝT LÊ HỒNG PHONG) der Transportcompany, etwa 2 km westlich vom Backpackerviertel Pham Nguo Lao. Dort erhielten wir unsere Tickets und wurden mit einem Minibus zum eigentlichen Busbahnhof Bến xe miền Tây, etwa 8 km westlich vom Zentrum gebracht. Hier sah man an unserem Terminal im Minutentakt Fernbusse ein- und ausfahren. Dummerweise durchgehend ohne englische Beschriftung, was uns natürlich überaus erfreute. Überhaupt waren wir in dem Gewusel weit und breit die einzigen westlichen Touristen. Mit etwas Hilfe, vom netten Mitarbeiter, der die ankommenden und abfahrenden Busse durch über Lautsprecher ankündigt, haben wir dann schließlich doch unseren Sleeping-Bus gefunden und brachen pünktlich um 22:00 Uhr auf nach Rach Gia.

Geweckt wurden wir morgens um 4 Uhr mitten im nichts am Bus Terminal von Rach Gia. Was? Wie? Wo? Neben dem Bus standen natürlich schon Mopedtaxis bereit um die Neuankömmlinge in die etwa 8 km entfernte Stadtmitte bzw. an das Pier zu fahren. Nach harten Verhandlungen haben wir es geschafft den Preis für ein Mopedtaxi auf 60000 VND zu drücken. Der einzige Haken bei dem Preis: Wir fahren mit nur einem Roller. Gut, in Vietnam ist das Gang und Gäbe, deshalb wollten wir das auch mal ausprobieren. So nahm der Fahrer Brigittes 55+15-Liter-Rucksack zwischen die Beine, dann setzte er sich, dann Brigitte mit ihrem Daypack seitlich, und schließlich Anton mit seinem 50+10-Liter-Backpack auf dem Rücken und seinem Daypack seitlich. So bretterten wir vollbepackt nach vietnamesischer Art mit 50-70 km/h durch die dunklen, leeren Straßen der Hafenstadt. Anton meinte später er konnte sich während der ganzen Fahrt keinen Millimeter bewegen, sonst wäre er nach Hinten vom Sitz, auf dem er sowieso nur halb drauf saß, gekippt. Diese Höllenfahrt um 4 Uhr morgens war auf jeden Fall ein Highlight.

Damit aber nicht genug der Odyssee. Natürlich waren um diese Uhrzeit am Pier noch alle Ticketschalter geschlossen. Was uns etwas beunruhigte war auch das Sold out-Schild auf dem Tresen. Zudem fanden wir auch nirgends Infos zu der Fährencompany Duong Dong Express, mit der wir doch eigentlich planten zu fahren. Das Einzige, was auf Plakaten beworben wurde, waren Überfahrten mit der Gesellschaft Superdong. Aber Superdong fuhr nur einen anderen Hafen auf der Ostseite der Insel an und wir wollten uns den Transfer in den Westen sparen. Die Superdong-Fähre ging um 8 Uhr morgens, also hatten wir eh noch genug Zeit uns umzuschauen. Wir liefen die Straße vom Pier in Richtung Innenstadt hinunter in der Hoffnung doch noch irgendwo einen Duong Dong Express-Schalter zu finden. Doch überall gabs nur kleine Agenturen, die Superdong anboten. Der Vietnamese in dem einzigen Laden, der um diese Uhrzeit geöffnet hatte, wollte uns auch noch weißmachen, dass es ohne Vorbuchung keine Tickets für die 8 Uhr-Fähre gibt und wir mit dem Minibus ins 90 km entfernte Ha Tien müssten und von dort aus nach Phu Quoc. Duong Dong Express gibt es nicht mehr oder fährt nicht mehr. Ganz genau haben wir es nicht verstanden. Das alles wollten wir nicht so recht glauben und gingen weiter auf die Suche. Auf der Straße wurden wir auch noch ein paar mal angequatscht, ob wir nicht (überteuerte) Fährentickets bräuchten, weil sie am regulären Schalter ja vergriffen wären. Es kam uns vor als würde hier jeder zu dieser ominösen Superdong-Mafia gehören. Glücklicherweise haben wir noch bis 6 Uhr gewartet und dann im Hellen den offiziellen Superdong-Schalter gefunden, wo wir ohne Probleme die Tickets bekamen (350000 VND, 16 USD p.P.). Das war mal wieder typisch Vietnam: Fast keiner kann dir helfen, weil er leider nur vietnamesisch spricht. Und falls einer doch ein paar Brocken englisch kann, nutzt er die Sprachkenntnis um Touristen abzozocken.

Als wir morgens am östlichen Pier von Phu Quoc in Bai Vong ankamen, standen bereits Fahrer von Minibussen bereit, um die die Neuankömmlinge abzufangen. Es gibt bis jetzt noch keine anderen Transportmöglichkeiten auf dieser Insel und so ist man auf die Minibusse angewiesen. Wir haben mit etwas Verhandlungsgeschick den Preis für die Strecke nach Duong Dong auf 50000 VND p.P. drücken können.

Während der Fahrt in die Inselstadt sahen wir den zum Teil noch im Bau befindlichen, neuen Flughafen, der bald mit internationalen Charterflügen weitere Touristenmassen auf die Insel bringen soll. Im Moment wird dieser jedoch nur aus dem Inland angeflogen.

Die Küste entlang des Long Beach auf dem Weg nach Duong Dong war zugepflastert mit großen Resorts und Hotels und wir waren doch schon sehr erstaunt, wie sich die Vietnamesen bereits jetzt auf den Tourismus eingestellt haben. Die günstigsten Bungalows am Strand in der letzten Reihe gab es erst ab 25 USD, weswegen wir uns für eine Unterkunft in der Stadt Duong Dong, ein paar hundert Meter vom Strand entfernt, entschieden (DZ mit AC, 350.000 VND, 16 USD). Allgemein kann man sagen, dass die Preise für die Unterkünfte auf Phu Quoc recht hoch im Vergleich zu dem Rest von Vietnam sind, und das Preis-Leistungsverhältnis nicht unbedingt gerechtfertigt ist. Naja, aber die Vietnamesen haben auch nicht so viele Inseln und versuchen da alles rauszuholen.

Als erstes gingen wir direkt zum Long Beach, von dem wir von der Straße aus noch keinen Blick erhaschen konnten, um ihn aus der Nähe zu begutachten. Der Strand ist schön und sehr gepflegt, was aber wohl an den benachbarten Resorts liegt.

Besonders kann man am Long Beach schöne farbenfrohe Sonnenuntergänge bewundern.

In der Stadt Duong Dong gibt es abends immer einen Nightmarket, der jedoch seinem Namen aber nicht wirklich gerecht wird. Dieser ist hauptsächlich für Touristen ausgelegt und so herrschen dort auch dementsprechend hohe Preise für Essen und Souvenirs.

Jedoch ein paar Meter weiter die Hauptstrasse entlang kann man im vietnamesischen Viertel lecker und günstig essen, was wir auch des öfteren gemacht haben. Dort entdeckte Brigitte für sich die süßen, vietnamesischen Desserts, wie u.a. dunklen Reis mit Kokosnussmilch.

Am nächsten Tag machten wir einen Rollerausflug in den Nordwestteil der Insel (150000 VND). Auf dem Weg dorthin trafen wir den Auswanderer-Franzosen Stephan, der uns mit dem Weg weiterhalf und uns herzlich zu sich nach Hause, ein paar Straßen weier, einlud. Er und seine vietnamesische Frau waren uns von Anfang an sympathisch, weshalb wir ihnen auch nachfuhren. Bei einem frischen Eistee gab er uns dann ein paar Tipps, wo man auf Phu Quoc vom Tourismus noch nicht eingenommene Flecken findet und die Ursprünglichkeit der Insel entdecken kann. Danke nochmal, Stephan! So folgten wir der Route, die er uns vorgeschlagen hatte, in den Nordwesten der Insel. Die Straßen sind in diesem Gebiet nur an wenigen Stellen befestigt bzw. befinden sich noch im Ausbau. So war es bereits ein kleines Abenteuer über die sandigen, roten Straßen zu düsen. Adrenalin pur, beim Ausweichen der Schlaglöcher. Als erstes besuchten wir das kleine Fischerdörfchen Rach Vem an der Nordküste (so klein, dass es auf unserer Karte noch nicht mal verzeichnet war). Hier liefen wir geradezu in die Vorbereitungen für einen Hahnenkampf. Der Schauplatz des Ganzen war die kleine Kreuzung der beiden „Straßen“ des Dorfes und war hier wohl sowas wie der Dorfplatz. Dieses Spektakel mussten wir uns dann doch mal anschauen und stellten uns in den Kreis dabei. Den Hähnen wurden an den Füßen Sporen befestigt und dann gings schon los. Es ist ein brutaler Kampf der Vögel auf Leben und Tod. Nach drei, sehr kurzen Runden stapelten sich schon die Kadaver am Rand der „Arena“. Das war für uns genug und wir schauten uns doch lieber noch im Dorf um. Die Locals leben hier in einfachsten Wellblechhütten. Überall laufen Hühner, Enten und Hunde frei herum. Also wirklich sehr urig. Aber so einfach die Leute hier auch leben, sie scheinen trotzdem glücklich.

Der zweite Stopp war das etwas größere Fischerdörfchen xxx am Nordwestzipfel der Insel. An der stürmischen Küste standen lange Fischernetze im Wasser. Von dort aus konnte man auch schon unser nächstes Ziel, Kambodscha, sehen.

Schließlich erreichten wir passend zum Sonnenuntergang den paradiesischen Ong Lang Beach. Da wir recht spät angekamen, entschieden wir in den nachfolgenden Tagen bei der nächsten Motorradtour wieder hierher zu kommen.

Der Strand Ong Lang ist besonders bei den Einheimischen beliebt. Hier treffen sich Familien zum Picknicken und man sieht Boote an der Küste, die vietnamesische Familien mit Kindern zum Schwimmunterricht bringen. Dagegen werden Touristen hier eher nicht gesichtet. Im Wasser lernten wir am nächsten Tag vier vietnamesiche Teenagerinnen kennen, die den ganzen Nachmittag im Wasser verbrachten und auch versuchten schwimmen zu lernen. Wir gaben ihnen mit Freude einige Ratschläge und wurden im Gegenzug kichernd über unsere Familienplanung ausgefragt.

Den Süden der Insel und die benachbarten Inseln Hon Dua, Hon Roi, und Hon Thom besichtigten wir in einer organisierten Schnorcheltour (315.000 VND, 15 USD). Bevor es auf das Boot ging, besuchten wir natürlich zuerst eine Pearlfarm im Süden von Phu Quoc. Hier fand man auch die Strände, wie sie in Wirklichkeit aussehen, wenn nicht von den Resorts gesäubert werden. Überall am Strand lang angeschwemmter Abfall und auch der Hinterhof der Pearlfarm war ordentlich zugemüllt.

Beim ersten Halt mit dem Boot wurde zum Zeitvertreib, während das Mittagessen zubereitet wurde, geangelt. Also ohne Angel, aber mit Angelschnur auf einer Rolle. Wir dachten es wäre nur Fake um die Touris zu beschäftigen, aber es haben mehrere Leute, darunter auch Anton, was gefangen. Und nein, das war nicht das Mittagessen. Die Fische wurden wieder in die Freiheit entlassen.

Nach dem Essen konnten wir endlich Schnorcheln. Hier kam das erste Mal unsere wassserdichte Fotoapparathülle zum Einsatz, die wir in Laos für umgerechnet 80 Cent erworben hatten. Und tatsächlich hat sie gehalten und uns ist es gelungen ein paar schöne Bilder zu machen.

Der letzte Stopp, wieder auf Phu Quoc, war der paradiesische Sao Beach mit weißem Sand, Palmen und türkisfarbenen Meer. Bis jetzt standen noch nicht so viele Hotels am Strand, aber die viele Baustellen ließen erahnen, wie voll es in ein paar Jahren sein wird.

Allgemein haben wir festgestellt, das die Insel Phu Quoc ein Müllproblem hat. Auf der Fahrt mit dem Roller sahen wir Halden, die sich bis an die Küsten erstrecken. Wie uns Stephan erklärte, wird dieser Müll von der Strömung an die südliche Westküste gespült (pearl farm). Zudem gibt es auf Phu Quoc keine offizielle Müllentsorgung, weswegen es auch erlaubt ist, einmal in der Woche seinen Müll auf eigenem Grund zu verbrennen. Hoffentlich kommt mit dem boomenden Tourismus auch ein Wandel im Umgang mit der Umwelt bevor die Insel komplett im Dreck untergeht.

Insgesamt hat uns die Insel Phu Quoc ein bisschen enttäuscht. Der Vergleich mit Samui vor 30 Jahren war vor ein paar Jahren vielleicht halbwegs hinnehmbar, heute ist Phu Quoc aber schon viel weiter und näher am Samui von heute. Aktuell wächst der Tourismus auf der Insel so schnell, daß sie für Backpacker wegen der hohen Preise bald gar nicht mehr interessant wird und dann nur noch Pauschaltouristen kommen. Na, viel Spass…

Hier die gesamte Gallerie von Phu Quoc:

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