Hanoi – der Auftakt in Vietnam

25.10.-04.11.14: Es stand nun wieder ein Länderwechsel an. Unsere Reise führte uns als nächstes in die nordvietnamesische Metropole Hanoi. Hier erwartete uns mit den Millionen Plastikstühlen, dem Höllenverkehr und der sehr direkten vietnamesischen Art schon der nächste Kulturschock.

Ausgehend von Vientiane nahmen wir abends um 18 Uhr einen Sleeping bus nach Hanoi (180 000 Kip). Die Fahrt bis zur Grenze war an sich auch einigermaßen erträglich. Gegen 1 Uhr nachts erreichten wir den Grenzübergang Kamphao. Dort war natürlich ein riesiger Stau. Wie wir erfuhren, wird die Grenze über Nacht geschlossen und erst morgens geöffnet. Ganz toll! Morgens um 7 gings dann endlich zum Stempeln. Wir hatten schon gehört, dass die Vietnamesen etwas grober sind als ihre Nachbarn aus Thailand, Laos und Kambodscha. Aber das was uns am Schalter erwartete, war schon die Härte. Es wurde gedrängelt und geschubst, als gäbe es dort was umsonst. Hätten wir nicht irgendwann auch die Ellenbogentechnik eingesetzt, würden wir heute noch dort stehen. Das Ganze gabs dann gleich vier Mal: Ausreiseschalter in Laos (1 USD Gebühr, weil Samstag), dann nochmal Check der Pässe, Einreiseschalter in Vietnam, dann Röntgen des Gepäcks und nochmal Check der Pässe (1 USD Bearbeitungsgebühr extra; wahrscheinlich Abzocke). Das Prozedere dauerte insgesamt 2-3 Stunden.

Zum Mittagessen legten wir in Vietnam eine Pause in einem kleinen Straßenrestaurant ein. Anton machte direkt Bekanntschaft mit einigen alten Vietnamesen vom Nachbartisch. Ohne auch nur ein Wort voneinander zu verstehen, wurde in einer halben Stunde gemeinsam eine Flasche Vodka leer gemacht. Da merkten wir direkt, wie trinkfest sie in Vietnam doch sind. Dann torkelte Anton gut gelaunt zurück in den Bus.

Gegen 20 Uhr erreichten wir schließlich Hanoi. Die Fahrt hat somit 26 Stunden gedauert! Wir schlossen uns mit einigen anderen Backpackern zusammen und nahmen einen lokalen Bus vom Busbahnhof in die Innenstadt  (7500 VND p.P.). Im Old Quarter suchten wir uns dann zu dritt ein Zimmer für die Nacht (3er-Zimmer, 107 000 VND p.P.).

Am folgenden Morgen suchten wir uns eine neue Bleibe für die nächsten Tage. Und es war gar nicht so einfach etwas günstiges zu finden. Wir kamen dann im Hoan Kiem Downtown Hostel unter (3er-Zimmer mit A/C und Frühstück, 85 000 VND p.P.). Um das Zimmer mussten wir aber schon fast kämpfen. Angeblich hätten sie nichts frei, obwohl booking.com da was anderes sagte. Nur mit der vorgelegten Online-Reservierung ließ der Rezeptionist uns widerwillig einziehen. Komische Sitten für jemanden, der ja eigentlich von uns Geld will. Das Hostel war auch abgesehen vom superunfreundlichen Staff, deren erste Antwort auf jede beliebige Frage grundsätzlich „No!“ war, schrecklich. Es war dreckig, die Klimaanlage funktionierte nicht und Tageslicht gab es in dem modrig riechenden Zimmer auch nicht. Wirklich das Schlimmste, was uns bis dahin untergekommen war. Die vielen sehr guten Bewertungen für das Hostel bei booking.com sind definitiv fake.

Die nächste Woche verbrachten wir damit uns von der anstrengenden Busfahrt zu erholen, uns Hanoi anzuschauen und natürlich mit einem Ausflug in die Halong Bay  (separater Artikel). Aber eigentlich kann man in Hanoi nicht von Erholung sprechen. Der Verkehr lässt das nicht wirklich zu. Zwar gibts vergleichsweise wenige Autos und auch keine TukTuks, aber dafür umso mehr Roller, auf denen bis zu sechs Personen auf einmal befördert werden. Genauso werden die Roller zum Lastentransport verwendet. Wir sahen Mopeds, die mehr geladen hatten als mancher Kleintransporter in Deutschland.

Und jeder, der motorisiert am Straßenverkehr teilnimmt, ist ständig am Hupen. Ich fahre über eine Kreuzung, MEEP! Ich überhole, MEEP, MEEP! Ich fahre an einem Fußgänger vorbei, MEEEEEP! Verkehrsregeln sind anscheinend auch nur Empfehlungen. Es wird gedrängelt, rote Ampeln werden ignoriert und wenn es mal schnell gehen soll, fährt man halt einfach mitten durch den Gegenverkehr. Bürgersteige, wenn es mal welche gibt, sind in der Regel komplett mit Rollern zugeparkt. Als Fußgänger ist man deshalb gezwungen auf der Straße im Rollerchaos zu gehen. Und wenn man die Straße dann noch überqueren muss, muss man um sein Leben fürchten. Um einen Fußgänger durchzulassen würde niemand anhalten. Da heißt es dann tief durchatmen und langsam über die Straße gehen ohne das Tempo zu wechseln. So können die Mopedfahrer einem am besten ausweichen. Anton wurde einmal als er mit dem Rücken zur Straße am Straßenrand stand, von einem Roller, der Backsteine(!) geladen hatte, gerammt. Glücklicherweise ist er nur mit einem zerrissenen T-Shirt und einer Schramme am Arm davongekommen. Echt der Wahnsinn!

Abgesehen vom Verkehrslärm, lassen einen die unzähligen Straßenverkäufer auch nicht zur Ruhe kommen. Im 20-Sekunden-Takt wird man belagert und jeder versucht einem irgendwas anzudrehen… und das dann zunächst immer zu unverschämt hohen Preisen. Man ist ja Tourist, da kann man es versuchen. Wenn man dann doch was kaufen möchte und den Preis auf die Hälfte runtergehandelt hat, muss man aufpassen, dass das Rückgeld auch stimmt. Und sowas passiert nicht nur einmal, sondern ständig. In Bars, Restaurants, Hotels .. überall! Mindestens fünf mal am Tag versuchten die Vietnamesen uns zu wenig rauszugeben oder sonst irgendwie zu bescheißen. In unseren Augen eine bodenlose Frechheit!

Aber nun genug des Vietnam-Bashing. Hanoi hat auch ein eigenes, unverwechselbares Flair. Besonders das Old Quarter, wo wir auch unser Hostel hatten, hat uns gut gefallen. Die engen Straßen sind voll mit kleinen Läden, in denen alles Mögliche angeboten wird. Es gibt die Gold-, die Silber-, die Kaffee- oder auch die Fruchtshakestraße. Vieles wird auch direkt an der Straße gehandelt. Für jeden Anlass und Geschmack ist etwas dabei.

In der Nähe gibt es einen großen Markt (Dong Xuan Market). Dort war für uns die Fisch- und Seafoodabteilung ein Highlight. Es wurden u.a. riesige Welse, Krabben und Schildkröten angeboten. Alle natürlich noch lebend.

Etwas weiter findet man getrocknete Fisch- und Fleischwaren, Gewürze in riesigen Säcken und natürlich auch Obst und Gemüse. Viele der exotischen Früchte in der Obstabteilung kannten wir bis dahin noch nicht einmal.

Etwas abseits der Hauptstraßen gibt es kleine Gässchen, wo man das normale Leben der Locals hautnah mitbekommt. Dort ist es meist ruhiger. Man sieht Männer, die Tabak in Wasserpfeifen rauchen. Manche liegen einfach in der Ecke und schlafen. Anderen kann man bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.

Direkt an der Straße werden Fische und Kröten mit einem Fleischermesser geköpft und direkt weiterverarbeitet. Da spritzt das Blut in alle Richtungen. Definitiv kein Anblick für Zartbesaitete und Tierliebhaber.

Das Essen war in der Altstadt günstig und auch sehr lecker. Die Nationalgerichte der Vietnamesen – die Suppe Pho und die Frühlingsrollen Nems, in allen möglichen Variationen, sind allgegenwärtig. Hier fanden wir auch einige Straßenstände, die eine ganz spezielle saisonale Delikatesse anboten: Cha Ruoi. Dabei handelt es sich um eine Omlettspeise mit Nereidenwürmern. Anton konnte nicht widerstehen und probierte eine Portion. Wie oft kriegt man schon so eine Möglichkeit? Es schmeckte wie Frikadellen, meinte er. Naja, jedem das Seine.

Auch abends war hier ordentlich was los. Bei uns direkt um die Ecke war das Kneipenviertel von Hanoi, wo sich nach Anbruch der Dunkelheit (ab 18 Uhr) die vietnamesische Jugend und natürlich auch viele Touristen tummeln. Vor den Bars stehen überall kleine Plastikstühle und -tische. Man könnte meinen hier gibts nur Kleinwüchsige. Aber das ist halt die vietnamesische Art – nicht ganz bequem, aber doch irgendwie gemütlich. Das Bier und auch andere alkoholische Getränke sind supergünstig (Fassbier: ab 20 Cent, Flaschenbier: ab 40 Cent). Daher verbrachten wir auch so gut wie jeden Abend in irgendeiner Kneipe. Für das Nachtleben gibts für Hanoi auf jeden Fall einen Pluspunkt.

Tagsüber gab es natürlich auch Sightseeing. Wir schlenderten durch die Altstadt und besichtigten den Lake of the Restored Sword (Hoan Kiem Lake), einen See mitten in der Stadt mit dem dreistöckigen Schildkröten-Turm (Tháp Rùa) auf einer kleinen Insel. Dort sollen angeblich die größten Süßwasserschildkröten der Welt leben. Wir haben jedoch keine gesehen. Schön fanden wir auch die Ly Thai To-Statue am Ufer des Sees. Etwas überrascht hat uns die St. Joseph’s Kathedrale, die im altfranzösischem Stil gehalten ist. Da vergisst man für kurze Zeit, dass man in Südostasien ist.

Brigitte und Adeline waren auch im Vietnam History Museum (Bao Tang Lich Su). Dort gab es Einiges zu sehen zu der vietnamesischen Geschichte und Kultur. Leider waren die Beschilderung der Exponate durchgehend auf vietnamesisch, so dass  man nur erahnen konnte, was die ganzen Ausstellungsstücke zu bedeuten haben. Da besteht auf jeden Fall noch Nachholbedarf.

Auch wenn Hanoi extrem hektisch und laut ist, scheint das Chaos irgendwie doch zu funktionieren. Es war schon ein krasser Unterschied zum entspannten laotischen Vientiane, aber Abwechslung muss auch mal sein. Wir haben in der Woche nur einen Bruchteil dessen gesehen, was die Stadt zu bieten hat. Dafür bräuchte man deutlich länger. Für einen ersten Einblick in die vietnamesische Kultur hat es aber allemal gereicht. Das Meiste hat uns auch recht gut gefallen. Nur an der Verkehrssituation, der Sauberkeit der Straßen und dem Umgang mit ausländischen Touristen müssen die Vietnamesen unserer Meinung nach noch arbeiten.

Hier die gesamte Gallerie zu Hanoi:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.