Bangkok – Kulturschock die Erste

10-14.09.14: Das nächste Ziel unserer Weltreise ist Thailand, genauer gesagt die thailändische Hauptstadt Bangkok. Dies ist unsere erste Reise nach Südostasien und daher ist es für uns auch sehr spannend diese fremdartige Kultur, von der man bisher nur aus Erzählungen gehört und in Reiseführern gelesen hat, kennenzulernen.

Wir flogen ausgehend von Omsk über das kasachische Astana und Almaty mit Air Astana (ausgesprochen gute Airline) in einem Nachtflug nach Bangkok. In Rußland sind wir bei herbstlichen 16 °C gestartet, bei Ankunft in Bangkok waren es 32 °C. Direkt mal der erste Schock. Am Flughafen wechselten wir unsere geschlossen Schuhe gegen Trekkingsandalen und entfernten die Hosenbeine von den Zip-off-Hosen. Mit dem Airport-Link und dem Skytrain (BTS) ging es dann zu unserem ersten Hostel im Osten von Bangkok. Die auf gefühlte 18 °C eingestellte Klimaanlage im BTS verpasste uns den nächsten Schock. Was ein Temperaturwechsel! Das Hostel VX the Fifty an der OnNut Station, das wir uns über Hostelworld raus gesucht hatten, war eine positive Überraschung. Zwar nicht direkt im Zentrum war es mit BTS relativ schnell zu erreichen. Es war gepflegt, hatte einen riesigen Tesco in der Nähe und zudem ein recht gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Man konnte nicht meckern.

Später am Tage gingen wir dann die nähere Umgebung erkunden. Bangkok ist groß, laut und für uns Europäer sehr exotisch. Entlang der Straßen sind überall Essensstände, alle möglichen Waren werden dirkt an der Straße angeboten und hier und da sieht man Liegen für Thai-Massagen. Es riecht abwechselnd mal superlecker nach Thai-Food mal widerwärtig nach Kloake. Man sieht viele Leute in Anzügen, aber mindestens genauso viele arme Leute, die in einer dreckigen Ecke schlafen oder auf dem Boden sitzend aus kleinen Plastiktüten ihr Thaicurry mit Reis essen. Am ersten Tag trauten wir uns noch nicht so recht Essen auf der Straße zu kaufen, weshalb wir in der Kantine im Tesco-Center speisten. Man hat eine riesige Auswahl an leckeren Thai-Gerichten zu seeehr guten Preisen und man musste sich keine Sorgen um die Hygiene machen. Ein Glück, daß wir sowas in der Nähe hatten. Witzigerweise merkten wir wegen der vielen neuen Eindrücke erst gegen Abend, daß in Thailand auf den Straßen Linksverkehr herrscht. Außerdem waren wir recht erstaunt, daß es schon gegen halb 7 dunkel wird.

Am nächsten Tag fuhren wir zum Sightseeing ins Stadtzentrum. Wir schlenderten zunächst durch das berühmte Siam-Einkaufszentrum und beschlossen dann weiter im Osten die Tempelbezirke zu erkunden. Da wir immer alles auf eigene Faust machen wollen und es scheinbar keine direkte BTS-Verbindung dorthin gab, dachten wir uns: „Laufen wir einfach zu Fuß. Laut Stadtplan sind es ja nur ca. 3 km und auf dem Weg dorthin sehen wir dann auch noch Chinatown.“ Daß dies nicht unbedingt die beste Idee war, sollten wir unterwegs noch merken.

Abseits der Hauptshoppingmeile wurde es schnell weniger schön. Wir liefen durch dreckige Straßen, wo es nur Mopedwerkstätten und Läden für Mopedzubehör gab. Dann kamen Straßen mit nur Läden für Klimaanlagen. Die einheimischen Thais schauten uns ganz verwundert an. Anscheinend verirren sich normalerweise keine Touristen in diese Gegenden. Wir waren schon ordentlich durchgeschwitzt, es war 2 Uhr und laut Karte hatten wir erst die Hälfte vom Weg hinter uns. Richtung Hauptbahnhof nahm der Verkehr dann zu. Immer wieder kamen Taxis oder Tuk-Tuks vorbei und boten uns ihre Dienste an. Wir lehnten dankend ab. So weit konnte es ja nicht mehr sein und das Schlimmste hatten wir ja schon hinter uns. Aber dann kam Chinatown! Das Chinatown in Bangkok kann man jedoch nicht mit dem in New York oder London vergleichen. Es war mehr ein riesiger chinesischer Slum. Wir hätten gerne Beweisfotos gemacht, aber in den meisten dieser Straßen trauten wir uns nicht mal den Fotoapparat auszupacken. Im Zentrum von Chinatown mussten wir auch noch durch einen riesigen überdachten Strassenmarkt durch. Wir schnallten uns die Rucksäcke auf den Bauch und kämpften uns durch die engen Gassen voller Verkaufsstände mit allerlei chinesischem Müll. Wer sowas kauft ist uns immer noch ein Rätsel. Auf jeden Fall waren wir weit und breit die einzigen westlich aussehnde Menschen. Nach ein paar hundert Metern hatten wir es dann irgendwann geschafft und erblickten voller Freude, heil da raus gekommen zu sein, wieder das Tageslicht. Gegen 3 Uhr kamen wir schließlich total erschöpft am Tempelbezirk an. Was eine Tour!

Wir waren klatschnass und total hungrig (Das Essen an den Ständen in Chinatown sah nicht unbedingt appetitlich aus). Da quatschte uns von der Seite irgendein Thai an, wo wir herkämen und was wir uns anschauen wollen. Uns war direkt klar, daß er uns was andrehen wollte, aber wir hörten ihm – wahrscheinlich wegen der Erschöpfung – erstmal zu. Er erzählte uns, daß die Hälfte der Tempel, wo wir hin wollten, schon geschlossen hat. Dann schnappte er sich unsere Karte und begann wie wild drauf zu kritzeln (Gruß an Liz und Chris, ja bei uns auch). Und an alle diese noch offenen Tempel könnte uns sein Freund der Tuk-Tuk-Fahrer, der wie aus dem Nichts auftauchte, bringen.. für nur 40 Baht (1 Euro)! Zudem würde er uns noch an irgendeine Thai-Factory fahren. Da kann man günstig Kleidung einkaufen. Aber wir waren hungrig und wollten doch noch was essen. Ja, er kann uns noch zum Essen fahren, wartet auf uns und nach der ganze Tour bringt er uns auch zurück zu unserem Hotel (ohne gefragt zu haben, wo das eigentlich ist). Wir waren schon vier Stunden in der brutalen Hitze durchmarschiert. Es war schon relativ spät, Brigitte wollte nicht mehr laufen und ich hatte keine Lust auf Diskussionen mit ihr. Für 40 Baht kann man schließlich auch nichts falsch machen.

Wir setzten uns ins Tuk-Tuk und schon gings los. Der Fahrtwind war sehr erfrischend und wir freuten uns endlich mal nicht zu Fuß zu laufen. Wie versprochen brachte uns der Fahrer zuerst an einen Essensstand, wo wir günstig was essen konnten, und wartete auch auf uns. Dann gings an einen kleinen Tempel. Ein Mann, der dort (angeblich) arbeitete, führte uns herum und erzählte uns ganz nebenbei, daß er in der Thai-Factory einen tollen Anzug gekauft hat und daß bei der Hochzeit seiner Schwester in Nürnberg (!) ihn jeder dafür bewundert hat. Ja, ja. Dann gings zu dieser ominösen Thai-Factory, eigentlich einem ganz normalen kleinen Schneider. Da wurden uns gleich Kataloge mit Anzügen vorgelegt und es gabs ein ganz tolles Verkaufsgespräch. Aus Höflichkeit probierte ich sogar ein Jacket an. Aber gleich danach machte ich auch deutlich, daß ich eigentlich gar kein Anzug brauche und mein Anzug in Deutschland deutlich besser ist als das was sie mir vorgelegt haben. Der Verkäufer war darüber nicht so amused und wir konnten weiter fahren. Doch statt zu den versprochenen Tempeln ging es zu einem Verkaufsgespräch in eine Reiseagentur. Wir buchten natürlich keine der uns angebotenen Touren und sagten wir melden uns.

Es war mittlerweile 5 Uhr und wir saßen immer noch am anderen Stadtende fest. Der Fahrer meinte für die Tempel wäre es jetzt zu spät und er bringt uns jetzt zurück. Wie zurück? Wir dachten er bringt uns zum Hotel. Nein, er fuhr uns an die Stelle, wo wir ihn getroffen hatten, und wollte uns da abladen. Da er sich weigerte uns auch gegen Bezahlung zumindest an die nächste BTS-Station zu fahren, bekamen wir langsam Panik. Es wurde allmählich dunkel und wir wollten keineswegs nochmal zu Fuß durch Chinatown durch. Nach einer kleineren Diskussion fuhr er uns wenigstens an den Fluß und erklärte uns, wir könnten mit dem Boot-Taxi einige Stationen flussabwärts fahren und dort auf BTS umsteigen. Wir gaben ihm 15 Baht, was wir noch als Kleingeld hatten, dafür dass er uns wenigstens zum Essen gefahren hat, stiegen ins Boot-Taxi und waren ca. 1 Stunde später dann auch zurück im Hostel. Naja, obwohl wir an diesem Tag auch keine richtigen Tempel gesehen haben, wussten wir zumindest, wie wir das nächste Mal relativ einfach in den Tempelbezirk kommen könnten.

Die nächsten beiden Tage verbrachten wir dann damit kreuz und quer in dem Bezirk herumzulaufen und uns alle möglichen Tempel anzuschauen, zu viele um sie alle aufzuzählen. Irgendwann hört man auch das ständige „Taxi, Taxi“, „TukTuk, TukTuk“, „Where you going?“, „Where you from?“ oder „Cheap, cheap“ nicht mehr. Besonders gefallen hat uns der Golden Mountain, von dem aus wir eine tolle Aussicht über ganz Bangkok hatten. Dort haben wir auch einen netten Mönch namens Lumphi kennengelernt. Wir redeten eine ganze Weile mit ihm und er erzählte uns einiges über sein Leben als buddhistischer Mönch. Wir durften auch bei einem Ritual mitmachen, bei dem einem, ähnlich wie bei einem Horoskop, die Zukunft vorausgesagt wird und Ratschläge gegeben werden. Brigitte ist überzeugt, daß einiges stimmt, was auf ihrem Zettel stand. Außerdem waren wir natürlich auch in der berühmt berüchtigten Backpacker-Strasse Khao San Road und der benachbarten Susie walking street, wo wir uns mit leichten Thai-Kleidungsstücken eindeckten oder einfach nur Bier bzw. Fruchtshakes tranken und uns die Leute anschauten.

Das Thai-Essen ist superlecker, wir lieben es. Doch obwohl wir meistens thai-spicy bestellen und zusätzlich mit Chili nachwürzen ķönnte es nach unserem Geschmack noch schärfer sein.

Im Rückblick hat uns Bangkok, obwohl es ein riesiger, lauter und zum Teil stinkender Ameisenhaufen ist, gut gefallen. Alles in allem war es fürs Erste ein ziemlicher Kulturschock, aber wir haben uns relativ schnell daran gewöhnt und es auch genossen.

7 Antworten auf Bangkok – Kulturschock die Erste

  1. Tanja Neu sagt:

    Hallo ihr Zwei ,

    dabei ist Chinatown gar nicht so schlimm. Man kann da ganz locker durch (auch im dunkeln) und braucht seine Rucksäcke nicht festschnallen 😉 .Sieht schlimmer aus ,als es ist .Viel Spaß weiterhin !

  2. Егор sagt:

    Привет,как вам тайланд?Обратно к нам не собираетесь 🙂

    • Anton sagt:

      Нам очень нравится. Завтра едим на север в Chiangmai. Новый фотки будут через пару дней. Привет всем.

  3. Stephie sagt:

    Spannender Bericht! Ich werde im Januar auch zum ersten Mal Bangkok besuchen und Erfahrungen wir eure helfen dabei, sich vorzubereiten 🙂

    Viele Grüße
    Stephie

  4. Johannes sagt:

    Sehr schön! Den Kulturschock gut überlebt? :p

    • Anton sagt:

      Alles locker. Haben uns schnell dran gewöhnt. Haben jetzt auch schon die erste Inseltour über Koh Samui, Phangan und Tao hinter uns. Die Beiträge sind in Vorbereitung. Sind jetzt wieder in Bangkok und morgen gehts in den Norden nach Chiangmai. Echt klasse hier. VG

  5. Ben theis sagt:

    Lost in chinatown .

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