Omsk – Meine alte Heimat

17-23.08.14: Am 16.08. ging es weiter in Richtung der westsibirischen Großstadt Omsk. Der Nachtflug ab 23:30 dauerte zwar nur drei Stunden,  aber aufgrund der Zeitverschiebung kamen wir morgens gegen 6 Uhr Ortszeit am Omsker Zentralflughafen an. Mein Onkel Dima empfing uns herzlich und brachte uns zu unserer Unterkunft bei meiner Großmutter Sina-Ida. Nach zahllosen Umarmungen wurden wir ins Bett gelassen und konnten uns etwas von der Reise erholen.Ausgeschlafen ging es als nächstes zu einem Besuch bei meinem Onkel Dima, seiner Frau Natascha, meinem Cousin Igor und seiner Frau Genja (Eugenia) an. Zum ersten Mal sah ich auch ihren neun Monate alten Sohn Denis. Ein wirklich ruhiger, süßer Fratz, den wir am liebsten gleich verspeist hätten. Da auch in Omsk die Temparturen bei ca. 30  C lagen, entschlossen wir uns spontan zu einer Grillsession an ihrer Garage. Grillen wird in Russland grundsätzlich als Schaschlik bezeichnet, auch ohne, dass das Fleisch auf Metallspießen zubereitet wird. Es war alles einfach gestaltet, aber das Fleisch und die Salate waren lecker und nach einigen Litern Bier war die Stimmung recht ausgelassen. Ein gelungenener Auftakt in meiner alten Heimatstadt.

Am nächsten Tag fuhren wir mit Dima und Igor in die Innenstadt. Dort gingen wir etwas am Irtisch-Ufer (der Fluss ist zwar nicht mehr so tief, aber mindestens so breit wie der Rhein) spazieren, vorbei am Musiktheater, einem alten Sowjetbau aus Beton in Form eines riesigen Konzertflügels, dem Personenhafen und der alten Omsker Festung. Die Millionen-Stadt ist erst knapp 300 Jahre alt und wurde während der Ost-Expansion Russland unter Peter dem Grossen gegründet.

Hinter einem Metallzaun sahen wir etliche alte Panzer. Auf Nachfrage wurde uns erklärt, dass es sich dabei um ein Weltkriegs-Museum handelt. Das konnten wir uns nicht entgehen lassen und machten eine Runde durch die Räume voll mit russischer und deutscher Militärausrüstung aus dem Zweiten Weltkrieg.

Besonders interessant fand ich die historischen Propaganda-Plakate, die Stalin verbreitete, um die Bevölkerung zum Kampf gegen den Aggressor Nazi-Deutschland zu motivieren. Die Sprüche unter diesen waren aus heutiger Sicht teils schon recht heftig. Um nur einige Beispiele zu nennen (frei übersetzt):

Für die Heimat, für Stalin!
Ein deutscher Panzer kommt hier nicht vorbei!
Tod dem faschistischen Drecksvieh!
Vorwärts! Nach Westen!

Im Aussenbereich des Museums waren etliche sowjetische Panzer, Flugabwehrgeschütze sowie Katjuscha-Raketenwerfer aufgestellt. Obwohl wir beide überzeugte Pazifsten sind, hat es uns dennoch Spass gemacht auf diesen rumzuklettern.

Am darauf folgenden Tag erzählte mein Cousin Igor uns von seinem Kumpel Nikita. Dieser ist eigentlich Fensterbauer hat aber auch ein recht interessantes Hobby: Er kauft riesige Mengen Elektronikschrott aus alten Miltärbeständen auf und gewinnt daraus Gold. Für uns Chemiker war das natürlich äußerst interessant und wir gingen auf einen Besuch an seiner Garage vorbei. Diese nutzt er als Lager für den immensen Haufen an Schrott. Er zeigte uns in welchen Bauteilen, welche Edelmetalle zu finden sind, und erklärte uns auch, dass der Goldgehalt in der Militärausrüstung deutlich höher ist als in üblichem Elektronikschrott. Die vergoldeten Kontakte werden zunächst mit geeigneten Werkzeugen und/oder roher Gewalt entfernt und in Königswasser aufgelöst. Daraufhin muss das Gold wieder in seine elementare Form überführt werden. Dies geschieht mit verschiedenen Reduktionsmitteln wie Na2S2O5 oder Hydrazin (sofern ich das richtig verstanden habe). Dieser Prozess wird mehmals wiederholt bis fast reines Gold übrig bleibt. Dieses wird dann eingeschmolzen und an Goldhändler verkauft. Damit macht er nicht unerhebliche Mengen an Profit. Möglich ist auf ähnlichem Wege auch Platin und Palladium zu gewinnen, jedoch hat er dafür im Moment keine Abnehmer. Was die Russen doch für Hobbys haben 😉

Die nächsten Tage nutzten wir für weitere Familienbesuche, unter anderem bei meiner Cousine Olga, ihrem Mann Igor und ihren drei Kindern Sergej, Vlad und Lena. Es war uns eine Freude auch sie endlich kennenzulernen. Ausserdem gingen wir an die grüne Insel, einen Park auf einer Irtisch-Halbinsel inmitten der Stadt mit vielen alten Karusselen, auf denen sich Kinder vergnügten. Einige dieser waren schon in meiner Kindheit dort plaziert, was mich natürlich in Nostalgie schwelgen ließ.

Die Stadt hat sich in den letzten 24 Jahren sehr verändert. Es wurde überall viel gebaut. Aber seit der Perestroika gibt es nun auch große Unterschiede zwischen arm und reich. Das Ausmaß wird einem erst deutlich, wenn man neben alten typischen russischen Holzhäusern, den unzähligen alten und neuen Plattenbauten nun auch abgezäunte Bezirke mit sehr westlich aussehenden Wohnblöcken und prunkvollen Villen sieht.

Kulinarisch wurden wir bei meiner Familie sehr verwöhnt, wenn nicht zu sagen gemästet. Hier gibt es so viele russiche Spezialitäten und Leckereien, dass es uns aber auch schwer fällt nein zu sagen. Um nur einige zu nennen: Pelmeni, Wareniki mit Kartoffel- oder Kapustafüllung (eingelegtes Weißkohl), Tschebureki, unterschiedliche Salate, gesalzener geräucherter oder luftgetrockneter Fisch, Pirogi, Blinis mit oder ohne Füllung, russische Pralinen in verschiedensten Variationen und und und… Ein traumhafter Genuss für den Gaumen, dessen Auswirkungen sich jedoch auch schnell an den zugelegten Kilos zeigen. Nicht zu vergessen sind auch die vielen Biersorten und natürlich auch das allgegenwärtige Nationalgetränk der Russen Vodka.

Nun ja, etwa eine Woche später ging es schon weiter. Dima, Natascha und Igor nahmen uns mit auf einen Trip in das Altai-Gebirge, nahe der russischen Grenze zu Kasachstan, China und Mongolei.

Hier sind alle Fotos von Omsk:

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