Fahrt ins Altai-Gebirge

24.08.14: Normalerweise erzählen wir weniger von den Fahrten an sich, aber in diesem Fall lohnt es sich diese zu erwähnen. Das russische Altai-Gebirge grenzt im Westen an Kasachstan, im Süden an China und im Osten an die Mongolei. Es ist mit seiner noch sehr ursprünglichen Natur eines der schönsten Erholungsgebiete in Russland. Die russischen Zaren machten dort Urlaub und auch der heutige Präsident Putin hat dort eine Datscha. Da auch auch mein Vater dort geboren ist, war es laut meinem Onkel Dima für mich eine Pflicht es sich mal anzuschauen.
Aufgebrochen sind wir am 24.08. morgens um 5 Uhr. Zwar ist es nach russischen Maßen von Omsk nicht sooo weit entfernt (1500 km!!!) aber auch für diese kurze 😉 Strecke mussten wir einen Tag Fahrzeit einplanen. Außerhalb von Omsk wurde uns langsam bewusst, dass in Russland mit anderen Dimensionen gerechnet wird. Die verschlafene, in Nebel getauchten Landschaft erwachte mit einem traumhaften Sonnenaufgang. Die Gegend um Omsk herum ist geprägt von kleinen Birkenwäldchen inmitten von weiten Graslandschaften. Manchmal sah man auch gar keine Wälder und in alle Richtungen einfach nichts bis auf die Strasse, die bis an den Horizont führte. Im Abstand von 20 bis 50 km tauchte auch mal ein kleines Dörfchen auf, was uns dran erinnerte, dass hier doch noch Menschen leben. Die Fernstrassen ausserhalb der Stadt waren erstaunlicherweise sehr gut in Schuss und wir fuhren etwa 700 km Richtung Osten bis zur sibirischen Millionenstadt Novosibirsk (3-4 Mio Einwohner). Dort machten wir einen kurzen Halt an dem riesigen Staudamm am Fluss Ob. Das nenn ich mal einen richtigen Stausee! Man sah am Horizont kaum das gegenüberliegende Ufer, weshalb er auch das Meer von Novosibirsk genannt wird. Da kommt einem der saarländische Bostalsee vor wie eine winzige Pfütze.

Außerhalb der Stadt machten wir abseits der Strasse einen halbstündigen Halt für einen Picknick in der Natur und fuhren dann weiter Richtung Süden. Es ging weitere 700-800 km durch zunehmend hügelige Landschaften durch die Großstädte Barnaul, Biysk und Gorno-Altaisk. Die Zeit während der langen Fahrt vertrieben wir damit, Brigitte das russische Alphabet beizubringen. Innerhalb weniger Stunden hatte sie es auch erlernt und fing sofort damit an alle möglichen Reklametafeln zu lesen. Ich war begeistert. Etwa 100 km südlich von Gorno-Altaisk, der Hauptstadt der Altai-Republik, hatten wir gegen 24 Uhr dann unser Ziel erreicht. Es war stockdunkel und man sah zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, wo wir überhaupt gelandet sind. Wir machten die Verwalterin der Tour-Base wach, trotzdem war diese erstaunlich freundlich und führte uns in unsere Hütten, wo Brigitte dann todmüde ins Bett fiel. Respekt vor meinem Onkel, der in 18 Stunden ohne wirklich lange Pausen etwa 1500 km gefahren ist! Ich machte es mir mit ihm auf der Verande vor unserer Hütte gemütlich. Wir vernichteten zu zweit eine Flasche Vodka und diskutierten über Gott und die Welt, bis um halb 5 Uhr morgens die Nachbarin aus der Hütte nebenan herauskam und uns anschrie, ob wir sie alle noch beisammen hätten uns um diese Uhrzeit lautstark über künstliche Diamanten zu unterhalten. Daraufhin krochen auch wir dann in unsere Betten.

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