Altai – Karakolskie Seen

26.08.14: Am dritten Tag unseres Aufenthalts im Altai hatten Brigitte und ich eine Tour zu den Karakolskie Seen gebucht. Dabei handelt es sich um 7 sich ineinander ergießende Bergseen auf einer Höhe von ca. 2000 m über dem Meeresspiegel.
Da Dima und Natascha schon mal dort gewesen waren und Igor nicht um 6 Uhr morgens aufstehen wollte, waren wir an diesem Tag ohne sie unterwegs. Mit einer Stunde Verspätung wurden wir um 7:40 an der Tour-Base mit einem umgebauten Militär-LKW abgeholt. Nachdem wir ca. 10 weitere Leute an den umliegenden Basen eingesammelt haben, ging es hinauf zum Basislager auf ca. 1000 m Höhe und weitere 1000 m unterhalb der Seen. Auf dem Weg dorthin haben wir auch begriffen, warum man dafür ein solches Fahrzeug braucht. Die ersten 25 km ging es über halbwegs normale Strassen, doch die letzten 27 km gab es keine befestigten Strassen mehr. Zudem gab es vor ein paar Monaten ein schweres Hochwasser im Altai-Gebiet und ein Großteil der Brücken über die vielen Gebirgsflüsse und -bäche wurde zerstört. So fuhren wir über riesige Steine und Schlaglöcher, durch Schlammpfützen, in denen jedes andere Auto versinken würde, und teilweise einfach durch das Flussbett der Gebirgsbäche. Nach ca. 30 Durchquerungen eines nicht so kleinen Gebirgsflusses (ohne Brücken) kamen wir ordentlich durchgeschüttelt am Basislager an. Hier dachten wir uns schon: „Auf was haben wir uns nur eingelassen!“.

Unser Guide Tanja hat uns erklärt, dass es nun die Möglichkeit gibt den Aufstieg (8 km, 1000 Höhenmeter) auf Pferden oder zu Fuss zu machen. Da wir jedoch absolut keine Reiterfahrung haben, hatten wir uns für die per pedes-Variante entschieden. Bevor wir aufbrachen, checkten wir die anderen Leute in unserer Gruppe ab. Dabei fielen uns direkt 3 Leute wegen der guten Ausrüstung ins Auge. Wir stellten uns neben sie und sagten einfach mal etwas lauter: „Das sind doch bestimmt Deutsche.“ Zack drehten sich die Köpfe um. „Wie, ihr auch?“. Die Freude war beiderseits riesig, so weit im zentralasiatischen Festland Landsleute zu treffen. Wir machten uns bekannt und stellten fest, dass Helena, Patrick und Viktor in Deutschland sogar ganz in unserer Nähe wohnten. Die drei waren aus Rheinland-Pfalz, aus Kaiserslautern und irgendwo aus der Nähe von Mainz. Sie erzählten uns, sie arbeiten für ein Erneurbare-Energien-Unternehmen und haben sich einige Zeit frei genommen für eine längere Tour durch Rußland. Durch Zufall bemerkten Helena und wir, dass wir in Deutschland sogar einen gemeinsamen Bekannten haben (Gruß an Tobias Budenz). Wie klein die Welt doch ist! Der Guide Tanja scheuchte uns auf, wir sollten uns mit dem Schwätzchen beeilen, der Aufstieg sollte gleich beginnen. Da sie aber auch verstand, dass es uns so viel Freude bereitete wieder deutsch zu sprechen, versprach sie uns bei der Rückfahrt ins gleiche Fahrzeug zu setzen. Da Helena und Patrick auf Pferden aufsteigen wollten, verabredeten wir uns mit ihnen auch noch auf ein Treffen an den Seen. Wenigstens Viktor ging zu Fuss und wir hatten damit einen deutschen Gesrächspartner beim Aufstieg.

Den Aufstieg darf man sich vorstellen wie das Besteigen eines riesigen Wolkenkratzers mit einigen hundert Stockwerken.. ohne Aufzug. Auch gab es hier keine komfortablen Wanderwege wie in Deutschland. Im Idealfall gab es halbwegs erkennbare Trampelpfade, die meiste Zeit ging es jedoch einfach nur steil bergauf über große Steine und über Baumwurzeln, die uns als natürliche Treppenstufen dienten. Die uns umgebende Natur war einfach traumhaft. Wir machten mehrmals Halt an kleinen Waldlichtungen und an Gebirgsbächen mit kristallklarem Wasser, wo wir unsere Wasservorräte auffüllten. Wir lernten auch weitere Mitglieder unserer Gruppe kennen. Ein junger bärtiger Mann (hab den Namen vergessen) war sogar mit einem Zelt unterwegs und wollte oben auf dem Berg übernachten. Er erzählte uns in bestem Englisch er käme aus Moskau. Dort hat er Chemie studiert und promoviert jetzt im Bereich der ‚material sciences‘ in Finnland. Ha, wir waren nicht die einzigen Chemiker hier. Ausserdem hängte sich noch ein kleines 12-jähriges Mädchen Ala (kurz für Alexandra) an uns dran und fragte, ob sie mit uns mitlaufen darf. Wir brachten ihr ein paar deutsche Wörter bei und sie erzählte uns im Gegenzug einiges über die dort vorkommenden Tiere und Pflanzen.

Gegen 14 Uhr kamen wir endlich total erschöpft an den Bergseen an. Der Anblick, der sich uns dort eröffnete, machte die Strapazen des Aufstiegs direkt wieder wett. Es war wie in einer Doku von National Geographic oder ein Wallpaper, wo man sich fragt, ob es solche Flecken auf der Welt überhaupt noch gibt. Ja, es gibt sie! Wir standen vor dem 7. und 6. See. Die kahlen Berge spiegelten sich in dem klaren Wasser und wir genossen für einen kurzen Augenblick diese majestätische Schönheit. Einige hundert Meter weiter trafen wir die Gruppe, die mit Pferden aufgestiegen war. Sie waren schon seit ca. 2 Stunden oben, was uns natürlich etwas neidisch stimmte. Nach einer 30-minütigen Mittagspause ging es weiter vorbei am 5. und 4. See. Wir machten halt an einer 400 Jahre alten Kiefer. Wie Tanja uns erklärte, ist die Hauptreligion im Altai-Gebiet der Schamanismus und für die Ureinwohner des Altai ist die ganze Natur heilig, alle Felsen, alle Bäume und auch die Seen an sich. Wer nun diese uralte Kiefer für einige Sekunden umarmt und inne hält, wird ein sehr langes Leben führen. Gesagt, getan. Mal schauen, ob es sich bewahrheitet. Ab dieser Stelle wurde die Vegetation sehr karg, es gab kaum noch Bäume und der felsige Boden war nur noch bedeckt mit niedrigen Strächern, wie Zwergbirken. Wir kamen vorbei am 3. See und machten schließlich halt am 2. See, am Platz der Wünsche. Dort setzten wir uns für 30 Minuten hin, meditierten kurz und Tanja erzählte uns die alte Legende von der Entstehung der Seen. Es handelte von Drachen, schönen Jungfrauen und einem Helden, der den Drachen besiegte und aus dessen Blut sich dann die Seen formten. Geologisch gesehen sind es jedoch Bergseen, die nach und nach aus dem Schmelzwasser des über uns liegenden Gletschers entstanden sind. Bis zum ersten See schafften wir es jedoch wegen dem straffen Zeitplan leider nicht und mussten nun den Abstieg antreten.

Der Abstieg war auch nicht ohne. Man musste sich wegen der schwindenden Kräfte sehr konzentrieren richtig aufzutreten und nicht umzuknicken. Aber nach zwei Stunden haben wir es endlich geschafft. Wir fuhren, wie versprochen zusammen mit Helena und Patrick in einem Fahrzeug zurück, tauschten Kontaktdaten aus und verabredeten uns unterwegs für den nächsten Tag zum Grillen. Der 22 km-Ausflug hat sich definitiv gelohnt.

Hier noch alle Fotos von den Karakolskie Seen:

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