Westküste der Südinsel – Farnbäume, Gletscher und ganz viel Regen

04-08.03.2015: Endlich hatten wir den Campervan und es konnte nun richtig losgehen. Über die Nelson Lakes ging es an den Südalpen die Westküste entlang Richtung Süden über Hokitika, am Franz-Josef-Gletscher und der Bruce Bay vorbei bis zum Haast Pass. Und an der Westküste gibt es noch mehr – nämlich Regen, Regen, Regen…
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Nach dem Start in Nelson war der erste Halt mit unserem neuen Campingwagen ein Supermarkt in Richmond, wo wir uns mit Campingsachen (Warehouse) und der nötigsten Verpflegung (Pak’N’Save) eindeckten. Gut ausgerüstet war das erste angepeilte Ziel St. Arnaud im Nelson Lakes Nationalpark.

Bei der Fahrt auf Neuseelands Hauptstraßen fiel uns direkt die sehr touristenfreundliche Beschilderung auf. Auch ohne auf die Karte zu schauen, wurde man rechtzeitig vor einer Touristenattraktion „gewarnt“. Dank der unzähligen Touristeninformationszentren in jeder großen Stadt konnte man sich jederzeit mit vielen Karten und Flyern ausstatten und war immer bestens informiert. Dort bekamen wir auch immer alle notwendigen Infos über Trekkingrouten und Campingplätze. Dies war auch notwendig, weil man auf das Internet als Informationsquelle in Neuseeland nicht zählen kann. Für Free WiFi, wie man es aus Asien kennt, muss man entweder die nächste Public Library oder ein McDonalds aufsuchen. Camping in Neuseeland ist sehr angenehm verglichen zu anderen Ländern auf der Welt. Neuseeland bietet gute Standards für Touristen und es besteht auch eine ordentlich organisierte Campinginfrastruktur. Wenn man keine privaten (meist teureren) Plätze anfahren will, bietet das Departement of Conservation (DOC) staatlich verwaltete Campingplätze an. Die Flyer mit allen gekennzeichneten Conservation Campsites erhält man an den meisten Touristeninfos. Hier werden unterschiedliche Basic, Backcountry, Standard, Scenic bis zu Serviced Campsites angeboten (Preise: 0-15 NZD pro Person). Wir übernachteten, soweit es möglich war, auf den DOC-Sites.

Gegen Abend fuhren wir also unseren ersten DOC-Campingplatz in St. Arnaud an und waren begeistert von der Sauberkeit und Qualität. Dies war einer der Besten auf der Südinsel (wie wir nach der Rundreise feststellten). Die Gegend um die Nelson Lakes war auch traumhaft, besonders die Wanderwege waren eine Augenweide.  Doch wirklich genießen konnten wir dies zu diesem Zeitpunkt nicht. Brigitte hatte sich ein paar Tage vor der Fahrt eine extrem starke Magen-Darm-Infektion eingefangen und litt gewaltig unter den Folgen. Es ist für uns immer noch ein Rätsel wie wir hygienisch fragliche Länder ohne großen Schaden überstanden hatten, aber es uns letztendlich im zivilisierten Neuseeland doch eingeholt hat. Eigentlich dachten wir vor der Abfahrt es wäre überstanden, leider war dem nicht so. Da besonders St. Arnaud sehr schön war, wollten wir dahin am Ende der Rundreise wiederkehren. Und so fuhren wir in den ersten Tagen auf dem Highway 6 einfach nur die Westküste bis Hokitika runter, ohne irgendwas großartig zu besichtigen. Brigitte war durch die Infektion sehr geschwächt und somit auch nicht in der Lage, was zu unternehmen.

Hokitika war ein kleines hübsches Städtchen mit einem Kieselstrand. Im Vormonat hatten sich dort Künstler versammelt, die aus dem angeschwemmten Holz am Strand Skulpturen bastelten. Ein Wunder, dass diese einem so stürmischen Wind standhielten. Dick eingepackt schauten wir uns die Kunst am Meer an.

Am Abend campten wir am Lake Mahinapua und machten uns am nächsten Tag auf den Weg an den Hokitika George, der als türkis-farbener Fluss zu den örtlichen Sehenswürdigkeiten zählt. Da es sehr stark regnete und der Weg über Landstraßen und Schotterwege ging, kamen uns auf dem Weg langsam Zweifel, ob dieser Ausflug an den abgelegenen Hokitika George so eine gute Entscheidung war. Aber man kommt da ja nicht alle Tage vorbei. Und so zogen wir die regenfeste Kleidung an und trotteten durch strömenden Regen zum Fluss. Der Ausblick auf den Hokitika George war nicht wirklich wie erwartet. Der strömende Regen wühlte die Sedimente im Flussbett auf und so bekam der Fluss eine eher gräuliche Farbe als die angeblich so schöne Türkis-Färbung. Dafür war aber die über den Fluss gespannte Hängebrücke recht interessant. Dies erinnerte uns irgendwie an den Fluss Katun und die Hängebrücke in Askat im Altai-Gebirge in Rußland. Als wir im Campervan pitschnass ankamen, hofften wir auf ein besseres Wetter in den nächsten Tagen, denn die Kombination aus Camping und Regen ist einfach nur ätzend.

Unsere Route führte uns weiter an den Franz-Josef-Gletscher in den Südalpen. Langsam wurde es auch kühler und von weitem sah man die schneebedeckten Berge. An der Westküste improvisiert man eher die Ausflüge als dass man richtig planen kann. Dort werden die durch Westwinde getriebenen Wolken durch die Südalpen gestaut, wodurch die Niederschlagsmenge sehr hoch ist und die Vegetation einem Regenwald gleicht. Die Konsequenz ist, dass bei schlechtem Wetter die meisten Trekkingrouten aufgrund von Unfallgefahr gesperrt werden. Bevor man sich auf den Weg macht, sollte man sich also immer die aktuellen Wetterinfos besorgen. Da bei unserer Ankunft das Wetter relativ günstig und auch der Zugang zum Franz-Josef-Gletscher geöffnet war, machten wir eine zweistündige Wanderung an die Gletscherzunge. Vorbei an schönen Wasserfällen und bunten Felsenschichten folgten wir dem grauen, steinigen Weg.

Am Gletscher waren wir recht erstaunt wie weit das Eis in nur 7 Jahren (zwischen 2008 und 2015) zurückgewichen war. Ja, ja … der Klimawandel. Leider konnten wir vom letzten zugänglichen Aussichtspunkt nur ein kleines Stück der Gletscherzunge sehen. Der Rest war wolkenverhangen.

Wir übernachteten im Touristengebiet um den Gletscher. Dort befinden sich nur private Campingplätze mit deutlich höheren Preisen als bei den staatlichen DOC-Campsites. Wir hatten zudem noch ziemlich Glück, dass wir überhaupt noch was bekommen hatten, da hier zur Zeit ein großes Anglerevent stattfand und somit praktisch alles ausgebucht war. Deshalb waren wir auch trotz des stolzen Preises für den Stellplatz (35 NZD p.N.) froh über eine warme Dusche und eine kleine Gemeinschaftsküche, wo wir uns zusammen mit anderen Backpackern was kochen konnten.

Am nächsten Tag machten wir noch eine kurzen Halt an einem Aussichtspunkt am benachbarten Fox-Gletscher. Diesmal war das Wetter etwas besser und wir konnten die Gletscherzunge in voller Pracht betrachten.

Wir folgten weiter dem Highway 6 und machten auch bald wieder einen Stopp, diesmal an der Bruce Bay. Als der Himmel aufklarte, hatten wir eine wunderschöne Aussicht auf die Tasmansee. Und auch die Vegetation an der Küste faszinierte uns. So seltsame Bäume kennt man bei uns in Europa gar nicht. Alles sieht so anders aus – irgendwie auf einem anderen Planeten.  Zum Schluss verewigten wir uns – wie so viele Touris vor uns – auf den überall rumliegenden weißen Steinen. Wolkenzaehler waren hier!

Der Highway 6 war eine abwechslungsreiche Strecke. Auf der einen Seite gab es die felsige Küste und Strände zu sehen, und auf der anderen Seite bestaunten wir die Flüsse und die Regenwald-Vegetation. Besonders lustig sahen die Farnbäume und die schrägen dem starken Wind ausgesetzen Bäume aus.

Etwa 60 km weiter machten wir Halt am Ship Creek, einem Bach, der in das Meer mündet. Wir machten einen Spaziergang an die angrenzende Lagune neben dem Strand. Hier und da sah man ein paar junge Backpacker, die die letzen Sonnenstrahlen genossen und auch bei den doch relativ kühlen Temperaturen schwimmen gingen. Uns lief es eiskalt den Rücken herunter. Die Erinnerung an das tropische Asien war noch nicht verblasst.

Ein weiterer Wanderweg führte über Holzstege am Bach entlang durch ein Moor im dichten Urwald. Die Bäume waren alle vom Moos bewachsen und auch aus dem Wasser ragte Moos. Durch die dichte Vegetation drangen ein paar Sonnenstrahlen durch und dieser Anblick verstärkte das Gefühl des Surrealen. Wir fühlten uns wie im magischen Märchenland.

Anschließend verließen wir die Westküste und fuhren etwa 40 km ins Landesinnere an den Haast Pass. Hier ging es über unzählige Serpentinen durch steile Schluchten vorbei an reißenden Bergflüssen. Was wohl im Osten hinter dem Pass lag?

Die Westküste ist ziemlich verregnet. Doch die gebotenen Ausblicke sind unbezahlbar und sehr abwechslungsreich. Von Bergen über Küste und Strände gibt es viel zu bestaunen und auch die Vegetation scheint vom anderen Stern. Für Naturliebhaber ist dies ein Augenschmaus. Dennoch freuten wir uns auf Otago, wo wir auf milderes und sonnigeres Wetter hofften.

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