Neuseeland, wir kommen!

27.02.-04.03.2015: Ohne wirklichen Plan ging es nun nach Christchurch auf der Südinsel Neuseelands. Das einzige was fest stand war: Campervan mieten, erst Süd- dann Nordinsel erkunden, insgesamt sechs Wochen. Als erstes aber war Nelson unser Ziel, wo wir Antons Cousin Georg und seiner Freundin Antje einen Besuch abstatteten. Während wir bei ihnen ein paar Tage abchillten und uns auf dieser wunderschönen Insel am Hinterteil der Welt akklimatisierten, bereiteten wir alles Notwendige für die kommende Tour vor.

Nachdem wir total übermüdet in Sydney ins Flugzeug stiegen, trennten uns nur noch drei Stunden Flug von Neuseeland. In drei Stunden wären wir endlich da, was für uns irgendwie unfassbar war nach den ganzen Strapazen der letzten Tage. So vertrieb die Neugier die Müdigkeit und es stieg die Vorfreude mit jeder Minute, die wir Christchurch näher kamen. Der wolkenlose Himmel eröffnete uns beim Anflug auf Christchurch einen wunderschönen ersten Ausblick auf die reizvolle Landschaft mit den neuseeländischen Alpen der Südinsel.

Zunächst aber mussten wir nach der Landung durch die Immigration, den Zoll und die Biosicherheit. Hier stellten wir fest, dass die Neuseeländer bei den Kontrollen noch pingeliger sind als die Australier. Und ja, das ist tatsächlich möglich. Neuseelands Regierung ist bei den Kontrollen sehr rigoros, weil sie die Verbreitung von landwirtschaftlichen Schädlingen und gar Insektenplagen oder Pflanzenkrankheiten vermeiden will. In diesem Zusammenhang war es schon lustig zu beobachten, dass alle angereisten Asiaten, die ihrem Reiseführer mit Fähnchen folgten, sich bei der Biosicherheit an die anmeldefreie Schlange stellten und die restlichen Europäer und Australier dagegen an der anderen, anmeldepflichtigen Schlange standen. Stichprobenartig wurden aber auch die Asiaten kontrolliert. Ein Pärchen musste dann sogar eine saftige Strafe zahlen, weil sie unerlaubterweise ein paar Mandarinen ins Land „schmugeln“ wollten. Als wir beide an die Reihe kamen, durchliefen wir so eine Art „Quarantäne“. Wir breiteten unser Gepäck auf dem Kontrolltisch aus und zeigten alle eingeführten Lebensmittel vor. Anschließend wurden unsere Trekkingschuhe unter die Lupe genommen und die Sohlen von der anhaftenden Erde gesäubert und desinfiziert (das war wohl auch nötig). Respekt für den Kontrolleur, der keine Berührungsängste mit Antons stinkenden Schuhen zeigte und dabei professionell und freundlich blieb.

Nun standen wir gegen 19 Uhr (wieder mal) planlos am Christchurch-Flughafen und mussten improvisieren, um ins 400 km entfernte Nelson zu gelangen. Dort lebt Antons Cousin Georg mit seiner Freundin Antje, denen wir zunächst einen Besuch abstatten wollten. Für die Nacht brauchten wir aber zunächst einen Schlafplatz. Glücklicherweise gab es am Flughafen Internet (was in Neuseeland nicht so selbstverständlich ist). Doch die Suche nach Unterkünften in Christchurch war aussichtlos. Seit dem Erdbeben von 2011 ist es anscheinend beinahe unmöglich dort was Bezahlbares zu finden. Die Preise gehen ab 120 NZD pro Nacht los, wobei die günstigeren Unterkünfte so kurzfristig natürlich alle ausgebucht waren. Und so waren wir die zweite Nacht in Folge an einem Flughafen gestrandet. Dank der Seite sleepinginairports.net erfuhren wir, dass der Flughafen in Christchurch eine Übernachtungslounge mit Sesseln und Sitzsäcken zur Verfügung stellt (5 NZD p.P.). Dementsprechend waren wir auch die Ersten in der Schlange, um uns bei der Öffnung gegen 20 Uhr einen der begehrten, gemütlichen Schlaf-Sitzsäcke zu ergattern. Währenddessen mussten wir uns auch die Weiterfahrt für den nächsten Tag nach Nelson organisieren, sonst gäbe es keine Übernachtung am Flughafen, so die Regel. Die Fernbusse waren leider alle ausgebucht und so versuchte Anton es bei den Autovermietungen. Wieder mal Glück im Unglück, musste eine der Autovermietungen gerade dringend einen Wagen von Christchurch nach Nelson schaffen. Und so bekamen wir einen Ford Focus für den nächsten Morgen für nur 10 NZD pro Tag. Ja, auch wir mussten bei diesem Preis zweimal nachfragen. Trotz gebuchter Weiterfahrt wollte der Mitarbeiter in der Übernachtungslounge uns dann aber nicht rein lassen. Wir hätten keinen Weiterflug und somit keine Berechtigung hier zu sein. Brigitte war wegen der Erschöpfung und Verzweiflung kurz vor den Tränen. Wir bangten und erläuterten ihm unsere Geschichte: Wie sollte man denn ein Auto (im Linksverkehr!) steuern ohne fast 48 Stunden geschlafen zu haben? Das ist doch grob fahrlässig. Der Mitarbeiter gab nach und bemerkte, dass wir uns aber gegen 4 Uhr morgens dann rausschleichen müssten. Direkt wurden Ohropax eingestöpselt und wir fielen auf unseren Sitzsäcke in Tiefschlaf. Dies war wohl der beste und gemütlichste Schlaf, den wir seit Langem hatten.

route-chirstchurch-nelson

Tatsächlich weckte uns der Mann auch um 4 Uhr morgens und wir lungerten noch 3 Stunden am Flughafen bis wir um 7 Uhr nach einem starken Kaffee (4 NZD) unser Fahrzeug abholten (CHC- NLS incl. Vollkaskoversicherung und Benzin, 75 NZD, geil!). Und so machten uns auf den Weg nach Nelson. Anton war sichtlich nervös diesen Wagen zu fahren, nicht nur, weil er noch nicht 100 %ig fit war, sondern  auch, weil er noch den Linksverkehr bewältigen musste. Aber war es recht erstaunlich, wie schnell man (nach kurzer, anfänglicher Verwirrtheit) es doch schafft umzudenken.

Unsere Route führte uns aus Christchurch-Stadt durch das Bergmassiv von Canterbury (State Highway 7, 65, 6). Nach sechs Monaten Strandfeeling war die erste Fahrt durch die bergige Landschaft definitiv eine atemberaubende Abwechslung. Irgendwie hatte die Landschaft was harmonisches und idyllisches, nicht nur weil überall viele Schafe und Kühe grasten, sondern auch weil die Vegetation irgendwie knuffig war. Wir hatten bei einigen Stellen sogar das Gefühl, dass jeden Moment gleich ein Hobbit aus den Büschen um die Ecke rausspringt.

So schön der Ausblick auch war, kämpften wir beide doch sehr mit der Müdigkeit und so zogen sich die 7 Stunden  Fahrt (mit Pausen) wie Gummi. Deshalb kam uns das Ziel wie eine Erlösung vor als wir endlich den Wagen unbeschadet am Nelson Flughafen abgaben. Jetzt mussten wir nur noch das 3 km entfernte Haus von Georg und Antje erreichen. Die Rucksäcke auf unseren Rücken fühlten sich wie Bleigewichte an. Ihr könnt euch deshalb vorstellen, wie dankbar wir waren, als uns auf halber Strecke ein neuseeländischer Bauer in seinem Pickup mitnahm. Sehr nette, zuvorkommende Leute, diese Neuseeländer!

In den nächsten Tagen kämpften wir beide noch etwas mit der Zeitumstellung und die Strapazen der letzten Tage steckten uns noch in den Knochen. Auch war es nach den tropischen, asiatischen Temperaturen doch recht kalt für uns in diesem Neuseeland. Deshalb unternahmen wir nicht viel und genossen zunächst die Gesellschaft von Antons Familie. Georg und Antje besitzen in Nelson ein schönes Haus in Strandnähe. Georg, als Schreiner, und Antje, als Innenarchitektin, steckten viel Arbeit in die Renovierung und Erweiterung des Hauses und das Ergebnis kann sich echt sehen lassen. Da die Gegend für Touristen aufgrund des angrenzenden Abel-Tasman-Nationalparks besonders attraktiv ist, vermieten sie als Nebenverdienst auch einige Zimmer an Besucher (Nelson Beach House). Wir können die Unterkunft jedem wärmstens empfehlen!

Bei dem Spaziergang mit Georg, Antje und Koma erhielten wir einen ersten Eindruck vom Strand der Tasman Bay. Es erinnerte eher an die Ostsee als an tropisches Strandfeeling. Und das Wasser war eiskalt! Aber es war ja auch schon der Anfang des neuseeländischen Herbstes. Im Sommer können da bestimmt nicht nur abgehärtete Einheimische sondern auch Frostbeulen wie wir super baden.

Die nächste große Hürde, die zu nehmen war, war die Beschaffung unserer „fahrenden vier Wände“, des Campervans. Da wir nur insgesamt 6 Wochen für Neuseeland planten, rechnete sich ein selbst gekaufter Wagen nicht. Zusätzlich bestand ein höheres Risiko den Wagen später nicht loszuwerden, da gerade die Nebensaison angefangen hatte. Antje und George besaßen einen alten Van, den sie gelegentlich auch zum Camping nutzen, und überließen uns diesen günstig für zwei Wochen. So hatten wir beide was davon und das Geld blieb wenigstens in der Familie. Aber zunächst musste der Wagen „umgebaut“ werden. Georg als Schreiner hatte für seine Campingtouren schon ein paar Möbel gebastelt und musste diese nur noch aus der Garage holen: ein kleines Tisch-Regal und ein Bettgestell mit Stauraum in Schubladen darunter Dann noch eine Matratze drauf, Vorhänge an die Fenster und fertig war unser Campervan.

Nach der gemütlichen Woche bei Georg und Antje machten wir uns endlich auf die Südinsel-Tour. Für die Rundreise planten wir zwei Wochen und noch etwa eine Woche um mit Georg und Antje Nelson und Umgebung zu erkunden.

Hier zur gesamten Galerie:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.