Kunterbunt – Otago, Fiordland und Southland

8-13.03.2015: Jetzt ging es erst richtig los.“Die ganze Welt in Miniatur“ sagt man über Neuseeland und tatsächlich ist dieser Spruch nicht übertrieben. Weiter ging es auf unserem Roadtrip über die Südinsel Neuseelands an die malerischen Seen Otagos, zu den spektakulären Schluchten des Fiordlands bis an die südliche Küste der Insel in Southland. Langweilig wurde uns auf jeden Fall nicht…

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Otago

Yes, so muss das sein! Das war der erster Gedanke als wir morgens am Ufer des Lake Hawea aus unserem  Campervan krabbelten. Dieser Wahnsinnsanblick, einfach unglaublich – deshalb sind wir hierher gekommen:

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Aber es war auch gar nicht so einfach diesen abgelegenen Campingplatz (Kidds Bush Reserve Campsite) zu finden. An dieser Stelle können wir die sehr detailreichen OpenStreetMaps (OSM) empfehlen, ohne wäre es deutlich schwieriger gewesen. Von Norden kommend gibt es am S-Highway 6 kurz nach dem Verbindungspunkt zwischen Lake Wanaka und Lake Hawea  einen Schotterweg der am linken Ufer des Sees entlang zum Kidds Bush Reserve Campsite führt. Die fehlende Beschilderung und die freilaufenden Kühe, die den Weg versperrten, ließen uns zunächst zweifeln, ob wir wirklich auf dem richtigen Pfad sind. Nach fast 45 min auf dem Schotterweg (etwa 6 km) waren wir im letzten Abendlicht dann aber doch noch am Campingplatz angekommen.

Nun tauten wir in der warmen Morgensonne auf und starrten mit Kaffee in der Hand auf das ruhige Wasser. Herrlich! Tatsächlich gab es sogar ein paar verrückte Naturfreaks, die bei diesen Temperaturen ein Morgenbad genossen. Uns schüttelte es bei dem Anblick durch und wir setzten unseren Kampf durch die unzähligen Broschüren von der Touristeninfo fort. Ungelogen ist das Verhältnis von Werbung zu relevanter Information in diesen Broschüren 8:2, aber wenigstens sind ab und zu gute Landkarten dabei.

Nach einem ausgiebigen Frühstück verließen wir den tollen Campingplatz, um weiter auf dem Highway 6 in Richtung Queenstown zu fahren. Es folgte eine atemberaubende Aussicht nach der Anderen: zunächst nochmal Lake Hawea, dann das Gebirge bei Queenstown und anschließend die Aussicht auf das Tal bei Queenstown. Wie gemalt.

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Als wir dann endlich Queenstown erreichten, war es alles andere als zauberhaft. Wir empfanden die Stadt als eher stressig und entschieden uns spontan weiterzufahren, ohne eine Nacht dort zu verbringen. Aber wir nutzen die Gunst der Stunde und gingen dafür in die großen Supermärkte unsere Vorräte aufstocken. Diesmal entschieden wir uns mal das Freedomcamping auszuprobieren und suchten uns für die Nacht eine Stelle irgendwo in der Pampa um Mossburn. Freedomcamping um Queenstown ist nur außerhalb der Stadt gestattet, wenn man ein fully self-contained Campervan (also inklusive eingebauter Toilette und Abwassertank) fährt, was bei uns nicht der Fall war. Von Region zu Region variieren die Gesetze, deshalb sollte man sich bei Freedomcamping regelmäßig informieren. Gerade in Ballungsgebieten ist das freie Camping eine Herausforderung, weil die Wahrscheinlichkeit steigt erwischt zu werden und ein Bußgeld zu kassieren. Wir suchten eine gute Stunde und stellten uns irgendwann um Mitternacht, müde von der Suche, am Straßenrand einer wenig befahrenen Seitenstraße neben eine Kuhweide. Wecker war auf 7 Uhr gestellt, damit wir direkt in der Morgendämmerung los können. Soweit kam es natürlich nicht. Morgens wurden wir gegen 6 Uhr von mehreren an uns vorbeidonnernden Autos in unserem Van durchgeschüttelt. Unausgeschlafen kletterte Anton ans Steuer und wir fuhren Richtung Fiordland.

Fiordland

Im Fiordland liegt der größte Nationalpark Neuseelands. Er ist bekannt als die „Walking Capital of the World“ und hier befinden sich die beliebtesten Mehrtages-Tracks (Great Walks), wie der Milford-, Kepler- und Routeburn-Track, die zu den Besten auf der ganzen Welt zählen. Die Teilnahme an diesen Great Walks muss dementsprechend rechtzeitig gebucht werden. Also Nichts für kurzfristige und spontane Besucher wie uns. Aber bloß nicht verzweifeln, wenn man doch nichts gebucht hat. Denn der Nationalpark bietet eine Vielzahl landschaftlich ähnlich schöner Eintages-Tracks an, die einen auch umhauen. Da muss dann natürlich das Wetter mitspielen, was es bei uns leider am ersten Tag im Fiordland nicht tat.

Zunächst ging es an den Eingang des Nationalsparks in Te Anau, um sich am Visitor Center zu informieren. Trotz schlechter Wettervorhersage entschieden wir uns an den berühmten Milford Sound, das Ende eines Fjordes, das über den Highway 94 zugänglich ist, zu fahren. Auf dem Weg hielten wir am Lake Manapouri, dem Eglinton Valley und dem Mirror Lake.

Je mehr wir dem Fiord näherkamen, umso schlechter wurde das Wetter und der Nebel verdichtete sich. Wir ahnten schon schlimmes. Dennoch, auch wir wollten jetzt auch mal diesen tollen Milford Sound sehen, von dem jeder so schwärmte.

Endlich am Milford Sound angekommen, war die Sicht durch den dichten Nebel in den Fjord gleich null. In dem Nieselregen hatten wir dann nicht mal Lust auf einen Spaziergang. Naja, wenigstens waren wir da. Im Nachhinein haben wir gehört, dass es in Skandinavien wohl schönere Fjorde geben soll. Dann müssen wir als nächstes wohl dort hin.

Auf dem Rückweg  machten wir vor dem Homer Tunnel noch einen kurzen 20 min Track (the Chasm). Dort gab es ganz witzige von einem Bergfluss geformte Felsen zu bestaunen.

Unser Nachtlager schlugen wir am Parkplatz The Divide, dem Ausgangspunkt des mehrtägigen Great Walks „Routeburn Track“ und des Halbtagestracks „Key Summit“, auf. Dies wurde ausnahmsweise von den Rangern erlaubt, da die sonstigen Campingplätze alle schon überfüllt waren. Ab es traf sich recht gut, denn nach vielem Hin und Her entschieden wir uns für den Key Summit-Halbtagestrack am nächsten Tag. Es gibt viele schöne Touren und die „richtige“ Wahl bei begrenzter Zeit zu treffen ist echt schwer. Wir hofften aus der ganzen Palette von Wanderrouten eine Gute ausgewählt zu haben. Nach dem Frühstück ging es los und tatsächlich hatten wir Sonne an diesem Tag. Ein Traum. Es ging aber zuerst mal 2-3 Stunden einfach nur berghoch durch den Wald. Als wir irgendwann langsam an der Baumgrenze ankamen, hatten wir dann aber endlich eine tollen Ausblick auf die Gebirgslandschaft um uns.

Der Gipfel toppte das Ganze sogar noch 😉 . Die Aussicht war atemberaubend.

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Der Großteil der Flora waren Sträucher, kleine Bäume und Moose in bezaubernden Farben. Dies war wohl wirklich einer der schönsten Tracks in Neuseeland. Landschaftlich unvergesslich. Auf sowas waren wir definitiv nicht vorbereitet, weil der Key Summit-Track ja eigentlich nur eine abgespeckte Variante des großen Bruders, des Routeburn Tracks, ist. Insgesamt haben wir für die Wanderung um die 4-5 Stunden gebraucht.

Nach zwei Tagen verließen wir nun den Nationalpark und machten uns auf den Weg an den Lake Monowai, wo wir auch die Nacht verbrachten. Der Campingplatz war sehr angenehm und nicht überlaufen, was uns sehr gefiel. Vom Campingplatz führte auch ein kleiner Wanderweg zu einem schönen Aussichtspunkt am See. Am nächsten Tag machte ich, als Anton noch schlief,  einen Morgenspaziergang dorthin. Und wieder hatte ich das Gefühl im Märchenwald zu sein. Alles saftig grün, rote Fliegenpilze und überall weiche Moose und dann am Ende des Weges Aussicht auf den ruhigen See. Einfach Toll!

Southland

Anschließend ging es auf dem Highway 99 an der Küste der Southland-Region entlang. Der gesamte Highway gehört zur Southern Scenic Route und bietet Zugang zu den südlichen Teilen des Fiordland-Nationalparks.

Den ersten Stop machten wir in Orepuki am Edelstein-Strand (Gemstone Beach). Wir suchten am Strand nach schönen Steinchen und wurden auch fündig. Abgesehen davon war die Küstenlandschaft mit den orange-farbigen Felsen und steilen Hängen einfach unglaublich. Aber wir konnten es auch nicht glauben als wir zurück am Van feststellen mussten, dass wir einen Platten hatten. Naja, Ersatzrad drauf, ab in das nächste Städtchen. An einer kleinen Tankstelle wurde uns dann geholfen. Reifen vom Nagel befreien und flicken – 15 min, 25 NZD. Ruckzuck gings weiter…

Die Nacht verbrachten wir in einem gemütlichen Camp bei Papatowai, wo wir uns beim Abendessen in der Gemeinschaftsküche mit einigen Deutschen über die Visitor-Geheimtipps austauschten. Bei diesem kühlen und nassem Wetter versuchten wir einfach an den nächsten Tag zu denken, denn morgen sollte die Tierwelt Neuseelands erkundet werden.

Nach einem schönen Frühstück mit Küstenpanorama, besuchten wir als Erstes die Seelöwen an der Surat Bay.

Wir fanden direkt am Anfang des Strandes schon das erste Jungtier, das gemütlich schlummerte. Anton konnte es einfach nicht lassen und näherte sich dem Seelöwen. Plötzlich sprang der Kleine auf und verteidigte sein Revier, so dass Anton doch lieber ein paar Meter zurückwich. Ah ja, deshalb gibt es auch Warnschilder, dass man 10 m Sicherheitsabstand zu den Tieren einhalten sollte. Leider haben wir auch keine anderen Seelöwen gesichtet, weil die „Älteren“ wohl auf der Jagd waren.

Weiter ging es an die Porpoise und Curio Bay, wo wir uns endlich die Sichtung unserer ersten Delphine freuten. Und tatsächlich sahen wir die Flossen zweier Hector-Delphine, zwar nur von Weitem aber immerhin.

Anschließend führte uns die Route an den Nugget Point, wo die vom aussterben bedrohten Yellow eyed-Pinguine leben sollten. Der Beobachtungsposten liegt etwa 100 m entfernt vom Strand und den Pinguinnestern, um die Pinguine keinem unnötigen Stress auszusetzen. Bei der Beobachtung der Pinguine muss man dann ordentlich Geduld mitbringen. Wir mussten bei kaltem, windigen Wetter etwa eine Stunde ausharren und mit Fernglas beobachten. Kurz vor der Kältestarre hatten wir dann doch das Glück zwei Pinguine herumwatscheln zu sehen.

Also diese Woche hatte es in sich. Da war alles dabei – Berge, Küste, Tiere. Die Südinsel Neuseelands ist einfach unbeschreiblich. Es gibt so viel zu sehen. Eine gute Vorbereitung ist definitiv sinnvoll, aber man kann auch on the way planen, so wie auch wir es meistens tun.

Hier die gesamte Gallerie:

 

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