Kein Entkommen aus Kuala Lumpur

15-25.02.2015: Unser Aufenthalt in Kuala Lumpur war schon etwas Besonderes, und das nicht nur im positiven Sinne. Die Shopping-Metropole Malaysias mit ihren Petronas-Towers und all den prunkvollen Einkaufszentren war einerseits schon beeindruckend, andererseits hat sie uns aber auch einiges abverlangt und wollte uns zum Schluss einfach nicht weiterziehen lassen. Aber lest selbst…

So da waren wir nun in Kuala Lumpur der Hauptstadt Malaysias. Diesmal hatten wir Glück und mussten uns bei dieser Bullenhitze eine Unterkunft nicht erst suchen. Eine deutsche Reisebekannte aus dem Bus hatte uns ein schönes, preiswertes Hotel in Chinatown empfohlen, worüber wir auch ziemlich froh waren (Homestyle Hotel, 60-80 RM p.N. inkl. Frühstück). Wir folgten ihr zu dem Hotel und drehten erst mal die Klimaanlage auf bis zum Anschlag. So eine Hitze hatten wir lange nicht mehr ertragen müssen. Am Meer war normalerweise eine Abkühlung im kühlen Nass immer möglich und es wehte meist auch eine frische Brise. Diesmal, in der Megacity, war der einzige Rückzugsort vor der Hitze unserer Zimmer oder eine der unzähligen klimatisierten Shopping Malls. Diese waren so unterkühlt, dass man sich beim längeren Aufenthalt sogar warm einpacken mußte. Auf der anderen Seite heizt die Abwärme der Klimaanlagen die engen und windstillen Gassen zwischen den Betontürmen natürlich umso mehr auf. Wie paradox… die Asiaten und ihre innige Beziehung zum Air Conditioning.

Also was taten wir die nächsten Tage? Nun ja, im Zimmer bleiben, essen gehen und natürlich shoppen. Kuala Lumpur gehört zur Weltspitze der Shopping-Paradiese und zwar mittlerweile schon auf Platz vier hinter New York, Tokio und London. Wir wohnten in der Nähe des berühmten Bukit Bintang-Shoppingviertels, also stand dieser als erstes auf unserer Liste.

In Bukit Bintang gibt es einige riesige Malls, u.a. den Pavillion, das Starhill Gallery, das Sungei Wang Plaza und für Elektronik und technische Spielereien das Low Yat Plaza. Auf jeden Fall findet man Alles, was das Herz begehrt.

In der Berjaya Times Square gab es sogar einen Theme Park (Eintritt 36 RM) . Hier gab es den weltgrößten Rollercoaster in einer Mall. Da Brigitte ein riesiger Fan von Achterbahnen ist, mussten wir diese natürlich antesten. Dafür dass der Park sich indoor und zudem im 5-8 Stockwerk des Einkaufszentrums befindet, gibt es beeindruckend viele Fahrgeschäfte. Die meisten waren nicht wirklich atemberaubend, eher auf Kirmesniveau, aber es ist schon irgendwie cool mit einer Achterbahn durch die Hallen eines Einkaufszentrums zu rasen. Auf jeden Fall einen Besuch wert.

Zudem war gerade auch noch das chinesische Neujahrsfest. Alles war bunt mit Blumen geschmückt und überall schallte chinesische Neujahrsmusik aus den Lautsprechern. Irgendwie wie Weihnachten bei uns, nur alles eher auf Frühling gestimmt.

Natürlich besichtigten wir auch die Petronas-Towers, die das Markenzeichen von Kuala Lumpur sind, sowie den angrenzenden Park. An diesem Tag regnete es endlich mal und wir genossen die Frische nach der Hitze der letzen Tage. Auf dem Rückweg besuchten wir noch die Suria KLCC Mall, die sich direkt vor den Petronas Towers befindet.

Die Shoppingcenter sind alle unglaublich riesig und man verirrt sich recht schnell. Nach einiger Zeit gibt man auf nach Plan irgendwas zu suchen und läuft einfach der Menschenmenge nach. Bei der riesigen Auswahl und der Vielzahl verschiedener Geschäfte haben einige uns aber doch besonders gefallen. Die japanische Modekette Uniqulo ist bei uns in Deutschland noch nicht vertreten. Neben den ganzen chinesischen Shops mit superbunter Bekleidung war das eher dezente japanische Sortiment für uns eine Wohltat. Dort deckten wir uns mit günstiger Multifunktionskleidung für kältere Tage in Neuseeland ein. Die Japaner kennen sich mit Kälte halt eher aus als die Malayen, und auch die Qualität der Sachen war einfach klasse. Wer aber doch auf abgefahren schrille und witzige Sachen von jungen asiatischen Designern steht, ist im obersten Stockwerk des Fahrenheit 88 richtig. Irgendwie fühlten wir uns da wie in einem Manga-Comic. Kann man auf jeden Fall auch empfehlen.

Für Elektronik ist das Low Yat Plaza wohl die erste Adresse. Auf fünf Stockwerken werden, zumeist in kleineren Shops, die neusten technischen Entwicklungen angeboten. Aber Vorsicht ist beim Kauf geboten, denn viele der Produkte sind einfach supergute Kopien der Orginale und werden deshalb so günstig angeboten. Also wenn der Preis verführerisch niedrig ist, ist es meist Fake.

Die Esskultur ist in Kuala Lumpur haupsächlich von Indern und Chinesen geprägt, da sie auch je ein Drittel der Bevölkerung in Malaysia ausmachen. Mit indidischer Küche hatten wir bisher eher weniger Erfahrung. Hier haben wir aber echt Geschmack dran gefunden und probierten uns fast jeden Tag durch die Speisekarte beim Inder bei uns um die Ecke.

Die meiste Zeit jedoch verbrachten wir in unserem Zimmer und beschäftigten uns mit der Organisation der Weiterreise nach Australien und Neuseeland. Man könnte denken, dass so ein Aufenthalt in einer Weltmetropole abwechslungsreich und aufregend sein kann. Irgendwie war er das auch, nur nicht unbedingt so, wie man es sich zunächst vorstellt. Tatsächlich hat uns Kuala Lumpur in den nächsten Tagen einiges abverlangt und unsere Reiselust auf die harte Probe gestellt.

Zu der Geschichte:

Akt I (Australische Russophobie)

Da unser nächstes Ziel Australien war, buchten wir bereits in Georgetown auf Pangkor unsere Flüge nach Sydney und eine Woche später nach Neuseeland. Wir hatten uns vorher schon entschieden aus Kostengründen den Aufenthalt in Australien auf eine Woche zu kürzen, um nur Sydney und das Umland zu besichtigen. Nachdem die Flüge dann im Sack waren, stellten wir uns der Visa-Prozedur. 15 Tage vor Anreise in Sydney beantragten wir beide online den E-Visitor. Für EU-Bürger ist das normalerweise mehr als ausreichend. Im Netz stand, dass die Bearbeitung maximal 14 Tage dauert. Mein Visumsantrag wurde auch bereits nach zwei Stunden genehmigt. Jetzt brauchten wir nur noch Antons. Und wir warteten und warteten und wurden langsam nervös.

Nach 7 Tagen kam schließlich eine Email, sie bräuchten noch nähere Angaben zu seiner Person. Anton musste einen 10-seitigen Fragebogen ausfüllen. Unter anderem wollte der Sachbearbeiter wissen, was Anton studiert hat, mitsamt der kompletten wissenschaftlichen Publikationsliste, wo er in den letzten 10 Jahren überall gearbeitet hat und das Beste zum Schluss – er solle doch bitte schriftlich bestätigen, dass er weder in der Vergangenheit noch zum jetzigen Zeitpunkt für die russische Regierung arbeitet bzw. gearbeitet hat. Achso, da weht der Wind also her … australische Russophobie! Anton ist in Russland geboren und ist im Alter von 9 Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland gezogen. Aber dass er seit 25 Jahren deutscher Staatsbürger ist, interessiert in Australien anscheinend keinen. Der Geburtsort im „Reich des Bösen“ hat wohl schon für einen Backgroundcheck und diese Schikane ausgereicht. Nun gut, Fragebogen ausgefüllt, Erklärung verfasst, alles eingescant und über den ImmiAcount hochgeladen. Unter Bemerkungen hat er noch um eine zügige Bearbeitung gebeten, da das Flugdatum ja schon in einer Woche war.

Nach 6 Tagen gab es immer noch keine Antwort. Anton hatte in der Zwischenzeit schon zwei Emails an den Sachbearbeiter geschrieben um sich nach dem Stand zu erkundigen. Keine Reaktion! Die Stimmung wurde immer gespannter.

Akt II (Das AirAsia Malheur)

Am Vorabend des Fluges hatte Anton also immer noch kein Australienvisum und auch keine Antwort vom Sachbearbeiter. Da es schon zu spät war die Flüge nach Sydney zu stornieren oder umzubuchen und wir auch ausgeschlossen hatten uns hier zu trennen, beschlossen wir Australien komplett auszulassen und direkt nach Neuseeland zu fliegen. Dummerweise gab es keine Direktflüge von Kuala Lumpur nach Neuseeland. Alle hatten sie Sydney als Zwischenstation. Naja, Transit sollte ohne Visum doch gehen. Immigration-Webseite gecheckt: die sagen, wenn man innerhalb von 8 Stunden den Anschlussflug hat und den Transitbereich am Flughafen nicht verlässt, ist das kein Problem. Na also, geht doch. So haben wir uns auf die Schnelle einen Flug am gleichen Tag von Sydney nach Christchurch gebucht.

Vollbepackt machten wir am nächsten Abend auf den Weg zum Flughafen von Kuala Lumpur. Endlich sollte es weitergehen. Sechs Monate Asien waren doch langsam genug. Doch am Check-In-Schalter von AirAsia kam das böse Erwachen. Der Mitarbeiter weigerte sich einfach Anton ohne das dumme E-Visitor-Visum einzuchecken. Auch ein Anruf bei der australischen Immigration, die ihm bestätigte, dass dies kein Problem sei, änderte daran nichts. Er meinte seine Chefin sollte das entscheiden. Total fertig mit den Nerven suchten wir seine Chefin. Bei unserem Glück war die natürlich absolut regelkonform und erklärte uns, dass weil wir ja mit einer anderen Airline weiterfliegen, wir in Sydney nicht im Transit bleiben können, sondern auf jeden Fall durch die Immigration müssen… und sie könnten da auch keine Ausnahme machen. Ganz toll! Dass unsere Flüge und auch die Anschlussflüge am nächsten Tag verfallen, interessierte sie auch recht wenig. Mal schön an die 1000 € in den Sand gesetzt.

Fuck AirAsia!

So saßen wir nun abends um halb 12 in Kuala Lumpur am Flughafen. Ein Hotel hatten wir keins mehr, die Monorail und Busse in die Stadt fuhren um diese Uhrzeit auch nicht mehr und ein Taxi wäre nicht unbedingt billig. Da wir immer noch geschockt, von dem Stress auch ziemlich erschöpft waren und uns im Moment eh alles egal war, suchten wir uns ein ruhiges Plätzchen in einer Ecke und übernachteten notgedrungen im Flughafen auf dem Boden. Auch eine tolle Erfahrung.

Akt III (Die Opodo-Cebu-Verarsche)

Am nächsten Morgen fuhren wir zurück in die City, wieder in unser Hotel. Der Besitzer war etwas verwundert, aber hatte zum Glück noch ein Zimmer für uns.

Die nächsten Tage hieß es einfach nur warten und immer wieder E-mails checken. Ohne ein Australien-Visum gab es für uns anscheinend keine Möglichkeit nach Neuseeland zu kommen. Nach 5 Tagen kam dann endlich die so heiß ersehnte Mail. Ohne irgendwelche Erklärung, Entschuldigung oder sonst was. Das Visum wurde Anton erteilt. Auf einmal einfach so… unglaublich!

Nun hatten wir noch ganze 2 Tage bis zu unserem ursprünglichen Flug von Sydney nach Christchurch. Wenn wir jetzt noch schnell was nach Sydney finden würden, wäre es ein Traum. Direkt wurde Skyscanner angeschmissen. Aber natürlich gab es keine erschwinglichen Direktflüge. Mit etwas Glück haben wir schließlich über Opodo doch noch einen günstigen Flug mit Cebu Pacific über Manila nach Sydney gefunden. Geil!

Am nächsten Tag Sachen gepackt und wieder ab an den Flughafen. Wegen dem Verkehr etwas spät dran, kamen wir zum Check-In gerannt und legten beide stolz unsere Australien-Visa vor. Der Mann am Schalter checkte unsere Daten und sagte trocken, es gäbe ein Problem. Unsere Buchung wäre gecancelt.

Waaaaas? Das ist doch ein Witz!

Nein, das Geld konnte nicht von unserer Kreditkarte abgebucht werden und deshalb wären die Reservierungen wieder freigegeben worden. Unmöglich! Wir checkten online unsere Guthaben. Alles war ok, Geld war vorhanden. Zwar noch keine Abbuchung, aber das wird bei dieser Bank meist erst ein paar Tage später angezeigt. Und warum haben wir dann überhaupt eine Bestätigung der Buchung von Opodo gekriegt? Das wüssten sie auch nicht, aber bei Cebu Pacific im System steht es als nicht bezahlt. Wir waren dem Kollaps nahe.

Verdammte Scheiße!

Schnell den Kundenservice von Opodo über Skype angerufen, die sagen bei ihnen wäre im System alles ordnungsgemäß verbucht. Aber wenn es am Check-In Probleme gibt, könnten wir es ja bar bezahlen und falls es doch noch über die Kreditkarte abgebucht wird, würden wir es selbstverständlich zurückerstattet bekommen. Mittlerweile hatten sich schon mehrere Cebu Pacific Mitarbeiter um uns versammelt und versuchten uns zu helfen. Zum Glück hatte unser Flug 30 Minuten Verspätung, weshalb noch nicht alles verloren war.

Mit den letzten Kraftreserven sprintete Anton zum nächsten Geldautomaten, hob die umgerechnet 600 € ab und wir bezahlten die Tickets in bar. Natürlich ließen wir uns das auch quittieren. Dann ging es im Laufschritt durch die Sicherheitskontrolle und ein paar Minuten später saßen wir dann auch wirklich im Flieger nach Manila. Kaum zu glauben!

Kuala Lumpur war für uns wie verhext. Es wollte uns einfach nicht gehen lassen!

Das witzige ist, das Geld für die Tickets wurde zwei Tage später doch noch von der Kreditkarte abgebucht. Und von wegen, wir bekommen es problemlos zurückerstattet. Jetzt mittlerweile 6 Monate später, nach etlichen E-Mails unsererseits, ist Opodo immer noch dabei den Fehler zu suchen bzw. mit Cebu Pacific Kontakt aufzunehmen und den Sachverhalt zu klären. Von wegen verlässliche deutsche Flugvermittlung. Nie wieder!

Fuck Opodo!

Update (01.09.2015):

Nach Androhen eines Gerichtsverfahrens durch eine Anwältin der Verbraucherzentrale hat Opodo sich nach 6 Monaten nun doch entschieden uns das Geld zurückzuerstatten. Nach Angaben der Verbraucherzentrale passiert sowas bei den Flugvermittlungen wohl öfter und bei solchen Problemen kann man nur durch Druck sein Recht durchsetzen. Wir empfehlen daher jedem seine Flüge direkt bei der Fluggesellschaft zu buchen. Meist ist es auf diese Weise auch günstiger.

Hier noch die gesamte Galerie:

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